Capitol, Die Sieben Weisen

Bei schwülwarmen Temperaturen kommen zwei weitere alte Schätzchen auf den Tisch, diesmal aus den Jahren 2001 und 2002.

Dabei sind: Stefan, Matthias, Philippe, Jerry

Gespielt wird bei: Jerry


1. Capitol von Alan R. Moon und Aaron Weissblum, erschienen bei Schmidt Spiele, 2001

Ahh … Capitol.  Ein tragisches Spiel. Brettspielmäßig sozusagen das Pendant zu Jürgen Trittin. Vom letzterem ist der gemeinen Bevölkerung nicht viel mehr in Erinnerung geblieben, als der (längst abrasierte) Schnauzbart und das Dosenpfand. Womit man dem guten Mann Unrecht tut. Ähnliches gilt für Capitol: ein damals gutes, heute nach wie vor ordentliches Spiel, von dem aber in erster Linie die unterirdisch schlechten Punktesäulen im Gedächtnis geblieben sind.  Auf BoardGameGeek ist Capitol zu zweifelhaftem Ruhm gekommen in der legendären Geeklist „Worst Score Tracks Ever„, wo es als Erstplatzierter selbst die total mißglückte Kramerleiste von Rialto hinter sich gelassen hat. Aber wie sagt man in der Showbranche: Hauptsache, man ist im Gespräch.  Und so ist Capitol auch heute noch ein Spiel an das man sich erinnert.

Rein spieltechnisch bietet Capitol im Jahre 2015 nichts sensationelles mehr: wir haben es mit einem einfachen Mehrheitenspiel zui tun. Auf dem Spielplan vor uns breitet sich Rom mit insgesamt neun Stadtviertel aus.  Mit Hilfe von Baukarten setzen wir Häusern in die Viertel und versuchen so, dort Mehrheiten zu ergattern.  Sondergebäude wie Brunnen oder Theater helfen uns, Extrapunkte oder -karten zu bekommen.  Das spielt sich geradlinig herunter und wer Mehrheitenspiele mag, kann Capitol auch heute noch ohne Schmerzen mitspielen. Der Glücksfaktor ist durch die stark streuenden Kartenwerte etwas höher, als man es als Vielspieler mag, bleibt aber ingesamt noch im Rahmen. Und so zocken wir Captol routiniert herunter. Am Ende muss sich Stefan entscheiden: Behalten oder eBay? Der Daumen des Cäsar wird gesenkt, das Spiel kommt zu eBay. In einem der nächsten Beiträge werden wir festhalten, welchen Erlös es gebracht hat. Mehr als 10 Euro? Man darf gespannt sein.

Sieger: Philippe


2. Die Sieben Weisen von Reiner Stockhausen, erschienen bei alea, 2002

Ich muss zugeben: diesen Titel kannte ich nicht und auch das Spielprinzip war mir i.W. neu. Die Sieben Weisen ist ein Spiel, das wie gemacht ist für vier Personen, denn wir kämpfen in wechselnden Allianzen um Punkte.  In jeder Runde spielen je zwei gegen zwei Spieler, wobei wir Runde für Runde neu aushandeln, wer mit wem spielt.  Jeder Spieler wählt eine von sieben identischen Rollen. Auf der Hand haben wir Karten, bunt gemischt, passend zu eben jenen 7 Rollen und nur Karten der eigenen Rolle dürfen wir ausspielen. Das Ziel Runde für Runde ist einfach: als Team in Summe mehr Punkte ausspielen, als die Gegner. Da wir vor dem Ausspielen der Karten dem Partner noch Karten zustecken dürfen, lohnt es sich, einen Teamkollegen zu suchen, den man entsprechend unter die Arme greifen kann.

Interessant an „Die Sieben Weisen“ ist nun, dass es sich keinesfalls so geradlinig spielt, wie man zu Beginn meint. So kann man eben nicht in jeder Runde volle Pulle Karten ausgeben. Oft ist es notwendig und taktisch klug, auf eine der Folgerunden zu sparen.  Und ebenso ist nicht immer sinnvoll, den eigenen Partner rückhaltlos zu unterstützen.  Ein ums andere Mal kann es auch geboten sein, den Verbündeten kaltlächelnd hängen zu lassen, insbesonders wenn er selbst schon teure Karten ausgespielt hat (bei BGG lief dieses Prinzip unter dem Titel „I may be your partner, but I’m not your friend“)

Bei „Die Sieben Weisen“ ist ein ähnlicher Effekt eingetreten, wie schon letzte Woche bei Quo Vadis. Dies ist kein Spiel, das man in gewohnter Weise multi-player-Solitär herunterspielt. Es ist ein Verhandlungsspiel, bei dem man nicht nur über den aktuellen Zug reden muss, sondern ggf. auch auch über künftige Runden. Man muss beobachten wer führt, ggf. gezielt dagegen halten und vor allem auch mal den Underdog unterstützen. Und so würde ich sagen, dass die Akzeptanz dieses Spiels wieder einmal von der Kommunikationsfreudigkeit der Gruppe abhängt.

Auch bei diesem Spiel stellt sich zuletzt wieder die Frage: Zurück ins Regal oder raus auf den Markt?  Angesichts der Tatsache, dass das Spiel kaum mehr zu kaufen ist, hätte ich es eher behalten. Andersherum könnte gerade so ein rarer Titel ggf. noch einen ordentlichen Preis erzielen.

Sieger: Jerry

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Ein Gedanke zu “Capitol, Die Sieben Weisen

  1. Wieder sehr schöne Beobachtungen und treffsicher formuliert. Allerdings hätte ich noch ein weiteres Photo erwartet 😀 auch ohne Kommentar.

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