Domus Domini, Drei sind eine zu viel

Der Wanderpokal „Heulsuse der Woche“ geht diesmal nicht an diese beiden Herren

heulsuse (Small)

heulsuse2 (Small)

sondern an Jerry für besonders nachhaltiges Rumjammern beim Spielen (siehe unten)

Dabei sind: Hubert, Stefan, Philippe, Jerry

Gespielt wird bei: Jerry


1. Domus Domini von Heinz-Georg Thiemann, franjos 2015

DSC03015 (Large)

Stefan hat sich getraut und endlich auch mal beim Crowdfunding mitgemacht. Frisch aus der Druckerpresse kommt Domus Domini auf den Tisch, finanziert über Startnext. Was die Planung angeht, muss man franjos applaudieren, denn das Projekt wurde sauber innerhalb der prognostizierten Zeit abgeschlossen, was man beileibe nicht von allen solchen Projekten behaupten kann, siehe die schöne Geeklist „Kickstarter: Scams, delays and shady ways„.

DSC03013 (Large)

Zum Spiel: In Domus Domini ist jeder Spieler Prior einer eigenen Abtei, die er über 5 Runden ausbaut. Dazu hat jeder sein eigenes Abteispielbrett, auf dem man sich auf drei Leisten (Garten, Käserei, Brauerei) weiterentwickelt und zudem neben dem Brett eigene kleine Kirche bauen kann. Zentraler Motor des Spiels ist dabei Geld, denn fast alle Weiterentwicklungen werden mit Geld bezahlt. Zusätzlich können wir in jeder Runde eine Art Obermönch (im Spieljargon „Cellerar“ genannt) anheuern, der unsere Siegpunkteinnahmen mit beeinflusst. Der Spielablauf ist dabei altbekannt: Ressource bekommen in Form von Geld und Nahrung, Ressourcen ausgeben und dafür Baufortschritte erhalten. Interessant ist dabei der verzögerte Wertungsmechanismus: Die Punkte aus Gärten, Brauerei, Kirche und Co werden nicht direkt ausgeschüttet, sondern erst einmal auf einer Zwischenleiste festgehalten. Bevor die Werte auf dieser Zwischenleiste dann in echte Siegpunkt transformiert werden, haben alle Spieler noch die Möglichkeit, durch „Bettelei“ vor ihnen liegende Spieler anzugreifen und ihnen so Punkte wegzunehmen (wobei sich der angegriffene Spieler in einem gewissen Rahmen mit Wachhunden dagegen wehren kann).

DSC03019 (Large)

Der Ablauf in Domus Domini besteht aus einer Reihe von kleineren Aktivitäten wie Startspieler festlegen, Geld bekommen, Mönch anheuern, Nahrung ernten, Zinsen einstreichen usw. und einem Haupteil, in dem wir festlegen, wofür wir unsere Ressourcen ausgeben. Da aber auch die Aktionsphase vergleichsweise kurz ist, fühlt sich das Spiel tendenziell eher kleinteillig an; spektakuläre Aktionen, wie man sie in Form von Kettenzügen bei Burgen von Burgund, Russian Railsroads oder Terra Mystica sieht, findet man hier nicht.

DSC03016 (Large)

Überhaupt ist Domus Domini ein Mangelspiel erster Güte. Das viele Material suggeriert viele verschiedene Quellen für Siegpunkte, aber am Ende des Tages ist das Geld entscheidend, denn der Löwenanteil an Siegpunkten muss über Geld eingekauft werden. Und Geld ist knapp, sehr knapp: Pro Runde werden 19 Goldstücke unter den Spielern verteilt, dazu können Spieler Geld für eine Runde anlegen und dafür Zinsen im Verhältnis 3:1 einstreichen. Andere Geldquellen gibt es nicht, was zur Folge hat, dass es in Domus Domini keine sich beschleunigenden Entwicklungen sondern nur langsames, lineares Wachstum gibt. Das mag der Realität entsprechen, hat aber zur Folge, dass es dem Spiel ein wenig an Dynamik mangelt. Innerliche Jubelstürme wie bei Russian Railroads, wo sich in den letzten Runden eine wahre Punkteexplosion ereignet, findet man hier nicht. Und auch auch die Menge an Aktionen, die man Runde für Runde hat, ist begrenzt durch den Geldfluss und der ist i.W. konstant. Für eine Vierspielerrunde kann man nüchtern feststellen: Jeder Spieler wird im Spiel um die 25 Gold einnehmen und die Herausforderung ist es, diese 25 Gold möglichst effizient in Siegpunkte umzusetzen. Banker würden sagen: Wir streben eine maximale Kapitalrendite an.

Zum Thema Heulsuse: Eigentlich baut jeder Spieler seine eigene Abtei mit wenig Abhängigkeiten zu den anderen. Trotzdem gibt es einen zentrale Stelle, an der sich die Spieler in die Quere kommen und zwar in der Phase, in der die „Zwischensiegpunkte“ in echte Siegpunkte umgewidmet werden. Hier kann ich Spieler, die vor mir liegen, gehörig ausbremsen (was ich auch tun sollte, um die Abstände klein zu halten). Dieser Mechanismus soll vermutlich die Spielbalance erhalten, führt aber effektiv dazu, dass es äußerst riskant ist, zu offensichtlich in Führung zu gehen. Langsames, unauffälliges Spiel ist hier eher zielführend und auch das nimmt Domus Domini einiges an Dynamik. Jerry jedenfalls macht in der letzten Runde den Fehler, zu viele Siegpunkte sammeln zu wollen, wird dann von zwei Spielern insgesamt sieben mal angegriffen und landet als Ergebnis auf Platz 3 statt 1. Das ist ein Mechanismus, der mir persönlich nicht so schmeckt. Direkte Angriffe sind – insbesondere bei Zweipersonenspielen – nicht mein Problem aber Domus Domini hat wirklich ein starkes „Ganging up on the leader“ Element und damit muss man klar kommen. Ich persönlich mag das in Mehrpersonenspielen weniger, weil es sich besonders gegen Ende sehr beliebig anfühlt und man Spielpositionen, die man sich erarbeitet hat, sehr schnell verlieren kann. Dann lieber Spiele wie Puzzle Strike, wo der Konflikt direkt in das Spieldesign eingebaut ist.

DSC03021 (Large)

Fazit: Mich hat Domus Domini nicht überzeugt. Es ist eher kleinteilig und der allgegenwärtige Mangel diktiert eine äußerst gebremste Spielweise, die durch die eingebauten Mechanismen zum Einfangen führender Spieler noch verstärkt wird. Außerdem steckt in dem Spiel viel Rechnerei, wie man x Geld am besten anlegen kann. Will man Domus Domini effizient spielen, muss man immer wieder den inneren Rechenschieber anwerfen, um die besten Optionen zu finden (ein Problem, was man auch bei etlichen Spielen von Friedeman Friese findet, der auch ein ums andere Mal zur Rechenlastigkeit neigt). Ich würde es trotzdem gerne ein zweites Mal spielen, denn vielleicht lässt sich diese recht negative Ersteindruck doch noch ein wenig relativieren.

Sieger: Stefan vor Hubert, Jerry, Philippe


2. Drei sind eine zu viel von Christoph Behre und Reinhard Staupe, Amigo 2015

DSC03022 (Large)

DSC03025 (Large)

Puh. Das erste Spiel war lang, wir sind müde, aber Zeit für einen Absacker ist noch. Also „Drei sind eine zu viel“ von Amigo. Was sich wie ein halbherziger Aufruf gegen die Vielweiberei anhört, ist in Wirklichkeit ein flottes Kartenablagespiel in der Tradition von „6 nimmt!“.  Auf der Hand haben wir Karten mit den Werten 1-90 in 7 bunten Farben und auf dem Tisch drei Ablagereihen für die Wertebereiche 1-30, 31-60 und 61-90. Gespielt wird reihum; wenn ich dran bin spiele ich eine Karte aus und sortiere sie in die passende Reihe ein. Mit der vierten Karte bekomme ich dann aus der Reihe 1-3 Karten zugeteilt. Ziel bei der ganzen Nummer ist es, möglichst alle 7 Farben zu sammeln und von jeder Farbe möglichst nur 1 oder 2 Exemplare. Drei sind eine zu viel, denn mit der dritten Karte einer Farbe die ich bekomme, wandeln sich Plus- in Minuspunkte.

DSC03028 (Large)

DSC03030 (Large)

Erster Eindruck: Das Spiel startet harmlos, denn zu Beginn kann jeder alles gebrauchen. Mit zunehmender Spieldauer wird es aber immer wichtiger, gewisse Karten nicht zu bekommen, so dass es immer unattraktiver wird, Kartenreihen zu nehmen. Eine zu gierige Spielweise in den ersten zwei Dritteln des Spiels rächt sich also am Ende. Unsere Partie läuft am Ende vom Balancing her ganz leicht aus dem Ruder: Stefan und Hubert sacken um die 40 Punkte ein, Jerry trödelt mit 27 Punkten auf Platz 3 ein und Philippe hat irgendwas bei -28. Die gegen 23:15 fortgeschrittene Müdigkeit erlaubt kein abschließendes Urteil, Spielspaß scheint aber vorhanden zu sein.

Sieger: Hubert? Stefan? Oder doch Robert Lewandowski?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s