Was vom Essen übrig bleibt

Essen 2015 ist geschafft. Müde Beine, leere Börse, Kopfschmerzen. Und wie immer: Schade, dass es vorbei ist. Noch schlappe 364 Tage bis Essen 2016. Was gibt es anzumerken, was ist aufgefallen?

Allgemeines

Essen war mal wieder eine Messe der Rekorde. Die riesigen Neuheitenlisten gehen nicht nur über etliche Seiten, sondern sprengen natürlich den Rahmen dieses Blogs. Also nur das Wichtigste aus meiner persönlichen Sicht:

Zunächst das Format: Der ursprünglich zwangsweise Umzug in die großen Grugahallen ist auch im zweiten Jahr ein echter Gewinn. Klare, trotz der Größe kürzere Wege, bessere Struktur, insgesamt viel Übersichtlichkeit. Trotz aller Nostalgie: wär klasse, wenn die Spiel in den  großen Hallen bleiben würde, ich persönlich trauere der verwinkelten, zweistöckigen  Aufteilung nicht hinterher.

Dann die Internationalität: Ist (siehe Name der Messe) an sich nix neues, aber in den letzten Jahren ist wirklich klar worden, dass es mit der Dominanz der deutschen Verlage in der Branche vorbei ist. Exzellente Verlage und Autoren aus aller Welt bestimmen und bereichern das Geschäft, ganz vorne Autoren aus Frankreich, den USA und Osteuropa. Das hat der Vielfalt und Qualität des Spieleangebots einen signifikanten Schub gegeben, wie man allein schon an SdJ-prämierten Autoren wie Christophe Raimbault oder Antoine Bauza sieht.

Der Rest ist Routine: Engagierte Aussteller, saubere Organisation und ein informiertes, interessiertes Publikum – so kann es bleiben.

Aktionen

Ein feiner Randaspekt der „Spiel“ waren und sind die parallel laufenden Aktionen, zumeist Turniere. Diese Jahr gab’s mit dem Siedler von Catan „Big Game“ Rekordversuch. 1000 Spielerinnen und Spieler wollten sich zu einem legendären Großspiel zusammensetzen, um den alten Rekord von ca. 900 gleichzeitig aktiven Spielern zu knacken.

E1 (Medium)

Das Ergebnis war schon rein visuell beeindruckend. Besonders cool war der Aufbau des Spielbretts als riesiges Atoll über etliche Tische, einzig allein unterbrochen durch Lücken, die dem Brandschutz geschuldet waren. Neuen Schwung in die Sache brachte der angepasste Spielablauf:: Gleichzeitiges Würfeln für alle, gleichzeitiges Spielen, Zeitbeschränkung – da wurde aus dem doch etwas angestaubten Siedler ein echtes Highlight, das sich von sonstigen Turniereinerlei (2014 Carcassonne?) spektakulär abhebt.

Auch cool: Das Ravensburger 32.000 Teile Puzzle an dem die Messebesucher fleißig mitbastelten. Bleibt die Frage, ob es auch Verrückte gibt, die sich diesen Puzzlebrummer zuhause antun.

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Thematische Spiele

Ich geb’s ja zu: Nach vielen Jahren des Optmierspielens hat sich bei mir ein zunehmende Müdigkeit gegenüber seelenlosen Spielen eingestellt. Bei viel zu vielen Spielen wird das Thema mehr oder minder lustlos über den Mechanismus gestülpt.  Umso schöner, dass in 2015 jetzt zunehmend große Spiele kommen, die Zeit und Aufwand in Atmosphäre und Story investieren.

Mysterium

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In Mysterium wird das aus Dixit bekannte Assoziationselement auf eine atmosphärische dichtere Ebene gehoben. Als paranormal begabte Medien lösen wir kooperativ einen Mordfall, bei dem wir die Hinweise auf den Täter praktischerweise vom Opfer selbst bekommen, das als Geist unter uns weilt. Dazu müssen wir zunächst Kombinationen aus Person, Ort und Tatwaffe identifizieren um unter diesen dann schließlich den Täter  zu finden. Das läuft ähnlich wie bei Dixit per Assoziationsspiel: Alle Personen, Orte und Werkzeuge liegen als Karten offen in der Mitte und der Geist gibt uns als stummer Spielleiter Hinweise in Form von Bildern, an denen wir ablesen können, welche Karten wohl zusammen gehören. Dabei spielen alle zusammen und phantasieren, mutmaßen und assoziieren munter vor sich.

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Diese Transformation von gegeneinander zu miteinander tut dem Dixit-Prinzip sichtlich gut und war schon im Probespiel trotz der lauten Hallen eine Freude. Wird zuhause, in ruhiger Atmospäre (Kerzenschein, chillige Musik) auf jeden Fall wiederholt.

TIME Stories

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Zunächst: Was für ein stylishes Schachteldesign! Da ist nichts mehr von den verstaubten Männern mit Hüten, die wir jahrelang bei alea & Co erdulden müssen. Sehr gelungen! Aber zum Spiel: Auch T.I.M.E Stories ist ein kooperatives Spiel, bei dem wir uns als Gruppe durch eine Art Abenteuer rätseln. Wir Spieler sind Agenten einer Agentur deren Aufgabe es ist, durch Zeitreisen Probleme in anderen Epochen zu lösen. Dazu bekommt jeder von uns eine Art Zielcharakter zugewiesen, mit dem wir in dem spezifischen Szenario agieren. Ein dickes Deck an Spielkarten ersetzt dabei den Spielleiter. Ca. 4-7 Karten werden jeweils vor uns ausgelegt und präsentieren uns einen Raum oder Ort an dem wir Spieler dann agieren können. Alle Aktionen die wir machen, verbrauchen dabei Zeiteinheiten, von denen wir nur begrenzt viele haben. Sind sie aufgebraucht, haben wir „verloren“ d.h. das gesamt Abenteuer wird abgebrochen und zurück gesetzt. Anschließend dürfen wir aber – ähnlich wie bei „Täglich grüßt das Murmeltier“ einen neuen Anlauf wagen.

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Dieses Konzept portiert quasi die alten (Fantasy) Rollenspiele auf Brettspielformat und kann nur als neu und kühn bezeichnet werden. Jedes Szenario kann nur ein Mal durchgespielt werden und ist danach gelöst. Ob Spieldauer und Erzählqualität für Langzeitspaß ausreichen und ob die Spieler bereit sind, den recht hohen Preis zu zahlen bleibt abzuwarten. Uns hat es aber so fasziniert, dass es auf die Kauf- und Spielliste gewandert ist. Wir werden berichten!

Pandemic Legacy

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Und nochmal kooperativ: Pandemic Legagy ist die seit einigen Monaten auf BoardGameGeek heftig gefeierte Kampagnenversion des bekannten Pandemic/Pandemie. Statt einzelner Partien spielen wir hier eine ganze Serie von aufeinander aufbauenden Spielen in deren Folge wir das Spiel fortlaufend verändern: neue Spielelemente kommen hinzu, bestehende verändern sich oder werden komplett raus genommen.

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Klar ist auch hier: das Spiel kann nur ein Mal durchgespielt werden, danach ist es verbraucht, vernichtet, kaputto. Da klingt faszinierend, überzeugt mich aber bis dato noch nicht genug, um zuzugreifen. Liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass mich das Original Pandemie nie so richtig vom Hocker gerissen hat. Kommt auf die Beobachtungsliste. Aber auch hier: Kooperativ, starke Story. Sehen wir hier einen Trend oder nur ein Strohfeuer?


… weiter geht’s in Teil 2

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