Inhabit the Earth, Spookies

Bei BGG gibt’s einen Spickzettel zu den dort vergebenen Wertungen:

BGG Wertung

In diesem Blog werden keine Noten vergeben, Klar, ist ja auch keine Rezensionsseite, sondern mehr ein Spieletagebuch zur Unterstützung unserer im Alter rasant nachlassenden Gedächnisleistung.Trotzdem versuche ich meistens, die unmittelbare Reaktion auf ein neues oder bekanntes Spiel anzudeuten, weil das erstens dazugehört und zweitens die an einem Abend nicht anwesenden Mitspieler wissen wollen „wie’s denn so war“.

Die Reaktion auf ein Spiel kann man zunächst in zwei einfache Stufen aufteilen:

  • Positiv: „Will ich nochmal spielen“
  • Negativ: „Will ich nicht nochmal spielen“

Diese beiden Stufen kann man dann nochmal etwas feiner unterteilen in:

Positive Reaktion:

  • „Will ich sofort kaufen (oder kaufen lassen 🙂 )“
  • „Will ich näher kennenlernen“

Negative Reaktion:

  • „Ganz ok, aber es gibt im Schrank schon mindestens 100+ bessere Spiele. Ab zu eBay mit dem Teil.“
  • „Grausam, das hat keinen Spaß gemacht. Am besten mit Benzin übergießen.“

Eine feinere Unterteilung macht in den allermeisten Fällen keinen Sinn. Wenn man die obigen vier Reaktionen auf Noten bei BGG oder in der Spielbox überträgt, dann gäbe das vier Bewertungsbereiche:

  • Bereich 10-8 Punkte: Starker Spiel- und Kaufimpuls
  • Bereich 7 Punkte: Genug Spielreiz um das Spiel näher betrachten zu wollen
  • Bereich 5-6 Punkte: Tut nicht weh, ist aber auch nicht gut genug, um mit der bestehenden Sammlung konkurrieren zu können
  • Bereich 1-4 Punkte: Schrottspiel, kommt nie wieder auf den Tisch

Was auffällt ist, dass diese Punkteintervalle nicht gleich breit sind. Das liegt primär daran, dass man als Vielspieler und Beinahe-Sammler schon so viele gute Spiele im Schrank hat, dass die Hürde für neue Spiele sehr hoch liegt. Beispiel würfelbasierte Spiele: Wenn man Burgen von Burgund, Alien Frontiers, Roll for the Galaxy oder Kingsburg hat, dann muss sich ein neues Würfelspiel schon sehr anstrengen, um mit diesen Vieren mithalten zu können. Natürlich ist das ungerecht, vor allem für die Spiele unterhalb der Top-Kategorie und ganz insbesondere für die im untersten Viertel. Trotzdem würde ich mir in den diversen Rezensionsquellen Print und Online häufiger mal mehr Mut zu extremeren Noten wünschen.

Dabei sind: Stefan, Philippe, Jannis (im zweiten Spiel), Tom, Jerry

Gespielt wird bei: Jerry


1. Inhabit the Earth von Richard Breese, Huch and Friends / R&D Games 2015

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Ein evolutionäres Rennspiel mit Tieren. Vor uns liegen Pläne der 6 Kontinente, jeder mit einer Rennleiste versehen. Eine Rennleiste besteht aus Hindernisfeldern unterschiedlichen Terraintyps: Berge, Grasland, Wald, Wasser usw. Auf diese Rennleiste setzen wir Tiere (besser: Tierarten) die wir möglichst schnell vom Start wegbewegen wollen, je weiter wir kommen, desto mehr Punkte sacken wir ein.

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Motor des Spiels sind Karten, die wir nach und nach auf den Tisch legen und dort zu Sets entwickeln. Jedes Set identifiziert dabei eine unserer Tierfiguren und legt fest, wie gut und schnell sich das Tier über die Rennstrecke bewegen kann und welche Sonderfähigkeiten es hat. Am wichtigsten ist dabei die Bewegungsfähigkeit: Um ein Terrain überschreiten zu können, muss unser Tier ein dazu passendes Terrainsymbol aufweisen. Hat mein Tier viele Terrainsymbole, die gut zu seiner Rennleiste passen, dann kann es sich entsprechend zügig auf dieser Leiste voran bewegen.

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Unsere Züge sind zunächst recht klar strukturiert: ich kann meine Tiere ausbauen (sprich mit neuen Karten versehen), meine Tiere bewegen oder Karten nachziehen. Im Spiel selbst wird Spezialisierung belohnt: ein Tier, das das Ende einer Rennleiste erreicht, erzielt genauso viele Punkte wie drei Tiere, die immer noch am Anfang rumkrebsen. Da wir nur maximal 7 verschiedene Tiere ins Rennen schicken können, lohnt es sich eher, 2-3 Tiere stark voranzutreiben als alle Tiere nur ein bisschen.

Thematisch sieht das – trotz der arg kindlichen Grafik – zunächst interessant aus. Evolution, Weiterentwicklung, Ausbau von Fähigkeiten, das hört sich spannend an. Im Spiel selbst tritt dann aber schnell Ernüchterung ein: Inhabit the Earth ist ein unübersichliches Spiel, bei dem es vor allem darauf ankommt, ständig die vielen Symbole auf meinen Tieren und Handkarten mit den vielen Symbolen auf den Rennstrecken abzugleichen. Diese Informationen sind für mich selbst schon aufwändig zu handhaben; der Blick zu den Mitspielern ist schlechhin kaum möglich. Spielt mein Gegner korrekt? Spielt er klug? Schwer zu sagen, wer will all die Details überblicken? Hat man aber erstmal ein Tier, das gut zu einer Rennstrecke passt, mutiert „unübersichtlich“ im Handumdrehen zu „langweilig“, weil ich dieses Tier ohne Einfluss der Mitspieler zügig nach vorne treiben kann.

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Fazit: Dieses Spiel fällt leider in die unterste der oben aufgeführten Kategorien: Nie wieder! Sicher, ist es kein kaputtes Spiel im Sinne von „funktioniert nicht“, aber es erzeugt im Spiel mehr das Gefühl von Arbeit und Verwirrung als von Herausforderung und Spaß. Schade. Spielbox-Note: 4

Gewinner: Jerry


2. Spookies von Stefan Kloß, Haba 2015

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Can’t Stop mit Geistern! Ähnlich wie beim Klassiker von Sid Sackson würfeln wir uns nach oben, keinen Berg diesmal sondern durch ein Geisterhaus. 5 Figuren stehen zu Beginn im Erdgeschoss, die darüber liegenden Etagen sind mit den Werten 5,6,7,8,9,10,11 beschriftet. Um mit einer Figur ein neues Stockwerk zu erklimmern, muss ich den entsprechenden Wert würfeln. Schaffe ich das, bekomme ich verdeckt Punktemarker in Form von Geistern, den sog. Spookies. Wie bei Can’t Stop kann ich so lange würfeln bis ich freiwillig aufhöre oder unfreiwillig abstürze. Neu ist, dass ich die Anzahl an Würfeln selbst wählen kann und zwar mindestens 2, höchstens 4. Je wenige Würfel ich nehme, desto mehr Spookies bekomme ich im Erfolgsfall. Das ist sehr einfach, in 5 Minuten erklärt und in max. 15 Minuten runtergespielt.

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Leider ist das neue Element (variable Würfelzahl) eine klare Schwäche des Spiels. Für jede Stufe des Hauses kann ich meine Würfelzahl so wählen, dass ich mit >80% Wahrscheinlichkeit weiterkomme und trotzdem Beute einstreiche. Riskantes Spiel lohnt sich nicht, es reicht vollkommen, Runde für Runde ein konstantes Einkommen an Spookies zu erwürfeln. Wilde Gefühlsausbrüche wie bei Can’t Stop kommen nicht vor, das Spiel hinterlässt eher ein Achselzucken („Und das war’s jetzt?“)

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Fazit: Leider noch ein Spiel der untersten Schublade. Und auch hier wieder: Das Spiel ist nicht kaputt. Es funktioniert irgendwie und sieht vor allem top aus. Aber der Spielreiz im Vergleich zu anderen „Push-your-luck“ Spielen (sorry für den Anglizismus) ist einfach zu gering, als dass es je wieder auf den Tisch käme. Spielbox-Note: 4

Fazit Reloaded: Wir haben das Spiel offensichtlich falsch gespielt (siehe Kommentar von Stefan). Damit sind o.g. Betrachtungen hinfällig, bleiben aber als Mahnung an die Nachwelt stehen, demnächst die Regeln (umfangreiche 3 Seiten 🙂 ) besser zu lesen. Das Spiel rückt hiermit in die Kategorie „Nochmal spielen um es besser kennenzulernen“ auf.

Gewinner: 2x Jerry

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2 Gedanken zu “Inhabit the Earth, Spookies

  1. Die beiden Siege des lieben Jerry bei Spookies sind ungültig! Ein gewisser Herr D. aus B. hat beim Erklären der Regel übersehen, dass bei der Verwendung von MEHR als zwei Würfeln nur die beiden mit den höchsten Augenzahlen zählen. Und da hätten die anderen Kinder am Tisch sicher viel bessere Chancen gehabt. Natürlich.

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