Skyliners, Schatzjäger, Codenames

Richard Garfield! Einer der wenigen, wirklichen Superstars der Spieleszene. Im Nebenjob Erfinder einiger guter Spiele wie King of Tokyo oder Robo Rallye.  Hauptberuflich visionärer Designer von bahnbrechenden Titeln.

Das grandiose Netrunner war 1996 seiner Zeit so weit voraus, dass es damals gnadenlos floppte. 17 Jahre später liegt mit Android Netrunner der Nachfolger vor, der nicht mehr und nicht weniger als eine spielmechanische und thematische Glanztat ist.

Das Spiel, das Richard Garfield aber berühmt und mutmaßlich auch sehr reich gemacht hat, ist Magic the Gathering, das erste wirklich große Sammelkartenspiel aus dem Jahre 1993. Damals war das Web noch nicht erfunden und die nichtprofessionelle Internetnutzung beschränkte sich auf sogenannte Usenet Newsgroups. Treffpunkt für Brettspielfetischisten war die Gruppe rec.games.board, in der sich Woche für Woche wenige Dutzend Artikel zu den damals angesagten Spielen fanden. Und dann kam Magic und innerhalb weniger Monate explodierte der Traffic in dieser Gruppe: Hunderte von Regelfragen, Regelantworten und Strategiediskussionen, gemixt mit heißen Streitereien, welche Kartencombos denn nun die besten seien. Diese Faszination hat sich bis heute nicht gelegt, denn auch mehr als zwei Jahrzehnte später läuft und läuft und läuft dieses Spiel.

Den Kultstatus, den Magic hat, kann man schön an dieser unscheinbaren Karte sehen:

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Ein Alpha Black Lotus (Alpha = Erste Version). Diese Karte war Teil der ersten Auflage von Magic und – obwohl harmlos aussehend – so „overpowered“ dass sie in nachfolgenden Editionen wieder entfernt werden musste . Den Kultstatus, den Magic genießt, kann man an der Preisen ablesen, die im Jahre 2015 für diese Karte auf eBay gefordert werden.

So viel Geld haben wir leider nicht, aber zum Glück bekommen wir mit „Schatzjäger“ das neueste Werk von Richard Garfield von Stefan frei Haus auf den Tisch gelegt. Mehr dazu unten.

Dabei sind: Jochen, Philippe, Jerry, Stefan

Gespielt wird bei: Philippe


1. Skyliners von Gabriele Bubola, Hans im Glück 2015

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Skyliners: ein Bau-und-Tipp-Spiel. Vor uns liegt ein 5×5 Felder großer Spielplan. Jedem von uns vier Spielern ist einer der vier Seiten zugeordnet. Das Spielprinzip ist ebenso einfach wie pfiffig: wir bauen gemeinsam Wolkenkratzer unterschiedlicher Höhe auf das Brett und tippen während des Spiels, wie viele Häuser wir in den 5 verschiedenen Spalten von unserer Seite aus sehen können. „Sehen können“ bedeutet, dass ein Haus nicht durch ein davor stehendes, höheres Gebäude verdeckt wird.

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So kann man in obigem Bild in Spalte D von der „South“ Seite aus alle 5 Häuser sehen, da sie aufsteigende Höhe haben. Von der „North“ Seite aus sieht man in derselben Spalte aber nur ein Gebäude, das oben stehende, höchste Gebäude.

Der Spielablauf ist dabei sehr simpel: Wenn ich dran bin, darf ich ein oder zwei Stockwerke auf den Spielplan bauen. Baue ich nur eines, darf ich zusätzlich noch einen Tipp abgeben. Tipps erfolgen immer verdeckt und in der Form „In Reihe X werde ich am Spielende n Häuser sehen können“. Je früher man tippt, desto besser, weil für frühe Tipps Bonuspunkte winken.

So spielen wir halbwegs flott vor uns hin und sind nach knapp 45 Minuten (inkl. Regelerklärung) durch. In der anschließenden Wertung hat Philippe mit 19-18-16 knapp die Nase vorn vor Jerry und Stefan, während Jochen leider etwas hinterherhechelt.

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Fazit: Nettes Spiel (nein, „nett“ ist nicht der kleine Bruder von „scheiße“).  Das Spielprinzip ist recht frisch und dabei interaktiver, als man auf den ersten Blick denkt, denn man kann den anderen durch gezieltes Hochziehen von Häusern durchaus in die Suppe spucken. Das Spielmaterial passt gut zum Thema, einzig die Kramerleiste für die finale Siegpunktwertung ist etwas misslungen: Möwenclips (oder sind es Störche?), die wir am Schachtelrand voran ziehen. Das funktioniert leider nicht wirklich, ist aber kein echtes Problem, da nur einmal am Schluss in einem Rutsch gewertet wird. Ein kleiner Zweifel bleibt hinsichtlich der Spielreihenfolge: zumindest auf den ersten Blick scheint hinten zu sitzen in diesem Spiel ein gewisser Vorteil zu sein, da man dann einfach mehr Informationen hinsichtlich der Tippsituation hat.Aber vielleicht täuscht das auch.

Gewinner: Philippe


2. Schatzjäger von Richard Garfield, Queen Games 2015

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Wir sind – Überraschung – Schatzjäger, die versuchen, mit Hilfe von  Karten diverse Schätze einzusacken. Runde für Runde werden Schätze offen ausgelegt die wir durch das Gewinnen verschiedener Wertungen ergattern können. Typische Wertungen sind „die meisten Karten in Grün“, „die wenigsten Karten in Grün“ oder „die meisten Hunde“.

DSC03257 (Medium)Das Spielprinzip ist dabei zweiphasig. ähnlich 7 Wonders: In Phase 1 schupfen wir uns unsere Handkarten zusammen: mit 9 Karten starten, eine zur Seite legen, 8 zum Nachbar weitergeben, 8 bekommen. Wieder eine zur Seite legen, 7 weitergeben, 7 bekommen und so weiter.

DSC03256 (Medium)Nach 9 Schupfschritten hat jeder einen Satz von Karten, die wir nun nach und nach in die verschiedenen Wertungen spielen. Rote Karten in rote Wertungen, blaue in blaue usw. Gewonnene Wertungen geben uns Schätze, welche entweder sofort oder später Geld (=Siegpunkte) wert sind. Sehr schön dabei: einige Schätze haben einen je nach Spielsituation variablen Siegpunktwert, so dass wir durch kluges Abpassen des besten Zeitpunkts mehr oder weniger Punkte zusammensacken können.

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Das ganze geht über eine feste Anzahl an Runden und ist nach ca. 40 Minuten vorbei. Spieltechnisch ist es eher leichte Kost: es gibt zwar eine Reihe von Details, wie die unterschiedlichen Wertungen oder die nicht kleine Anzahl an Sonderkarten, aber insgesamt ist Schatzjäger ein eher lockeres, schnelles Spiel, das von der Unsicherheit beim Ausspielen der Kartenkombos lebt. Der Zufallsfaktor ist nicht zu vernachlässigen, so dass zu langes Grübeln nicht lohnt. Trotzdem sollte man in jeder Runde einen Plan haben, in welchen Kategorien man punkten will. Alles auf einmal geht nicht und führt schnell zu einer punktemäßigen Nulldiät.

Fazit: Herr Garfield wird hiermit weniger Geld als mit Magic und Netrunner verdienen. Egal. Trotzdem gerne wieder!

Gewinner: Jerry


3. Codenames von Vlaada Chvátil, Czech Games Edition

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Ein Spiel von Vlaada Chvatil mit weniger als 20 Seiten Regeln und unter 2 Stunden. Hurra!

Codenames ist ein astreines Assoziationspiel. Wir teilen uns in zwei Teams gleicher Größe auf; im ersten Durchgang Team Rot mit Stefan und Jochen gegen Team Blau mit Philippe und Jerry. Stefan (Rot) und Philippe (Blau) sitzen auf einer Seite des Tisches als Hinweisgeber während Jochen (Rot) und Jerry (Blau) gegenüber als Ratefüchse sitzen. Zwischen uns werden nun 25 Karten im Quadrat ausgelegt, auf jeder Karte steht ein simpler Begriff (Hund, Katze, Maus …)

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Die Hinweisgeber bekommen zudem eine gemeinsame Karte, die nur sie sehen und welche festlegt, welche der 25 Karten zu Team Rot und welche zu Team Blau gehören, eine Information, die die Ratefüchse auf der anderen Seite des Tisches nicht haben.

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Ziel jedes Hinweisgebers ist es nun, seinem Ratefuchs möglichst schnell mitzuteilen, welche Karten dem eigenen Team gehören. Dies wird gemacht, indem der Hinweisgeber seinem Ratepartner einen(!) Begriff nennt, der mit möglichst vielen Karten der eigenen Farbe assoziiert werden kann.

Beispiel: Team Rot gehören die Karten „Demo“, „Deutschland“, „Bullen“ und „Gericht“. Stefan gibt seinem Partner nun den Hinweis „Protestbewegung“. Und in der Tat: Der Ratefuchs tippt schnell und korrekt auf „Demo“, „Bullen“ und „Gericht“ – die logische Handlungskette für gewalttätige Kundgebungen. Aber was dann? Leider geht der vierte Tipp in die Hose, denn statt des korrekten „Deutschland“ wird auf die daneben liegende „China“ Karte getippt (Tian’anmen lässt grüßen).

DSC03260 (Medium)Und so geht es hin und her: Hinweise durch Rot, Tipps durch Rot. Hinweise durch Blau, Tipps durch Blau. Es gewinnt das Team, das als erstes die eigenen Karten identifiziert hat.

Fazit: Ein sehr, sehr gutes, glasklar designes Assoziationsspiel in reinster Form. Hier gibt es keinen überflüssigen Schnickschnack, stattdessen einen schnellen Aufbau, eine klare Struktur und einen fast unbegrenzten Wiederspielwert. Es gibt allerdings, wie Philippe zutreffenderweise bemerkt, durchaus einiges an Downtime zwischen den Zügen, da jeder Hinweis ebenso wie jeder Tipp sehr gut überlegt sein will. Das muss man verschmerzen können. Herausragend ist, dass durch das Spiel zweier Teams gegeneinander auf gemeinsamer Spielfläche ein toller Spannungsbogen entsteht; etwas, was vielen anderen Assoziationsspielen wie z.B. Dixit oder Mysterium leider abgeht. Alles zusammen: Ausgezeichnet für Leute die gern assoziieren.

Gewinner: Alle (oder so)

 

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