My Village, Completto

Ein Würfelspiel, ein Würfelspiel, ein Würfelspiel!!! Hurra!!  Ach, nee, doch kein Würfelspiel.

Dabei sind: Stefan, Philippe, Tom, Jerry

Gespielt wird bei: Philippe


1. My Village von Inka Brand und Markus Brand, Pegasus 2015

My First Carcassonne. My Happy Farm. My First Uno. My Little Pony. Tja … der Prefix „My“ ist bei mir irgendwie mit putzigen Verniedlichungen verknüpft; im Spielebereich mit kleinen, harmlosen Leichgewichten, geeignet um den Nachwuchs an das tollste Hobby aller Zeiten heranzuführen.

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Nun also „My Village“, angelehnt an das 2011er Village. Village hat seinerzeit einen Haufen Preise abgeräumt inklusive dem Deutschen Spielepreis und dem Kennerspiel des Jahres. Und groß war das Hallo: „In Village sterben deine Meeples! Der Tod hält Einzug in die Brettspielwelt. Huiuiuiui!“. Nun ja. Kurzer Blick in den Schrank: Bei „Villen des Wahnsinns“ stolpern Axtmörder durch’s Haus, bei Zombicide kommen großflächig Kettensägen und Pumpguns zum Einsatz. Von daher habe ich die Aufregung um den spielerischen Pöppeltod nie so richtig nachvollziehen können.

Warum nun „My Village“? Soll hier die schockierende Morbidität des Originals abgemildert werden? Keinesfalls: „My Village“ ist erneut ein Eurospielkopper aus der Gewichtsklasse „Kennerspiel“, der allerdings mit seinem Vorbild außer dem Titel und der Tatsache, dass ab und an eigene Pöppel vom Brett fliegen, eher wenig gemeinsam hat.

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Was passiert? Jeder Spieler hat einen eigenen Hof in Form eines kleinen Tableaus, das zu Beginn natürlich öd und leer ist. Im Laufe des Spiels kaufen wir nun Karten aus der Mitte, um diese rund um unseren Hof anzulegen. Es gibt im Prinzip zwei Kategorien von Karten: solche, die Ressourcen in Form von Waren oder Geld produzieren und solche, die diese Ressourcen in Siegpunkte ummünzen. Gemein haben alle Karten, dass wir sie zunächst aus dem Mitte kaufen müssen, wofür wir eine Aktion, Zeiteinheiten und ggf. weitere Ressourcen brauchen. Liegt eine Karte erstmal im Hof, dann wirkt sie entweder dauerhaft, oder kann im weiteren Spielverlauf ein- oder mehrfach neu aktiviert werden. So können z.B. Karten, die Waren produzieren, immer wieder getriggert werden, um dadurch immer wieder Waren zu erhalten.

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So habe ich in meinem Zug also im Prinzip zwei Möglichkeiten: Entweder eine neue Karte dazu nehmen oder bestehende Karten meines Hofes erneut auszulösen. Punkte gibt es dabei – wie könnte es anders sein – an allen Ecken und Enden. Karten, die sofort Siegpunkte bringen, Karten, die ich erst aktivieren muss, Karten, die erst am Ende ausschütten und natürlich die unvermeidlichen Sammelsiegpunkte im Spiel.

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Interessant ist nun die Art, wie wir Aktionen im Spiel erlangen. Dazu gibt es Würfel, pro Spieler 2 weiße und noch 3 schwarze obendrauf. Diese würfelt der Startspieler zu Beginn der Runde und dann geht es reihum: wenn ich dran bin, nehme ich zwei Würfel und löse die mit der Würfelsumme verknüpfte Aktion aus.  Der nächste Spieler hat dann schon 2 Würfel weniger zur Auswahl, was für den hinten sitzenden Spieler bitter sein kann, wenn am Ende der langen Runde nur noch Schrottwürfel im Pool sind.

Welche Aktionen mit einer bestimmte Zahl machbar sind, geben die in der Mitte und in meinem Hof liegenden Karten vor. Dabei gilt, dass ich immer alle Aktionen auslösen darf, deren Zahl ich getroffen habe:

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Mit einer 6 dürfte ich in obigen Beispiel also die drei oberen Karten mit der 6 triggern (Pferdproduktion, Papierproduktion, Pflugproduktion) sowie die beiden Karten mit dem ? unten (Pflug verkaufen, Pferd verkaufen). Die Reihenfolge ist frei wählbar und natürlich werde ich Produktion vor Lieferung durchführen.

Aktionen (kaufen oder auslösen) kosten in aller Regel Zeit.  Diese wird auf einer Uhr abgetragen die um meinen Hof herum aufgezeichnet ist. Hat der Zeitstein eine volle Runde gemacht, dann tritt Gevatter Tod auf den Plan und senst einen meiner Hofbewohner (meiner Wahl) um. Als Folge darf ich Karten, die an der zu dem Bewohner gehörenden Seite liegen nicht mehr aktivieren. Reparieren kann ich das, indem ich neue Hofleute ausbilde und an Stelle der Verblichenen setze. Eine echte Bedrohung ist der Todesmechanismus dabei nicht, eher eine implizite Bremse: wähle ich zu viele teure Aktionen hintereinander, dann werde ich irgendwann gezwungen, Züge für die Anwerbung neuer Pöppel auszugeben.

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„My Village“ scheint Fokussierung zu belohnen, vielleicht sogar zu erzwingen. Karten aller Typen gleichermaßen zu kaufen, scheint wenig klug, da der Tod alle 5-7 Züge einen der meinen dahinrafft und damit zumindest eine Kartenkategorie vorübergehend paralysiert. In unserer Proberunde wird jedenfall eifrig spezialisiert: Stefan und Philippe setzen auf Reisekarten, Tom baut eine fette Kirche und Jerry ist als Lieferkönig der amazon.de des Mittelalters.  Diese Spezialisierung führt aber dazu, dass sich ab dem zweiten Spieldrittel für jeden Spieler ein bestimmter Spielschwerpunkt herausbildet, der die durchzuführenden Aktionen relativ stark vorgibt.  Wenn ich viel Produktion habe, sollte ich viel auf Leiferungen setzen. nochmal umschwenken und nebenbei eine Kirche bauen zerfasert mein Spiel und macht es ineffizient. So lichtet sich die anfängliche Verwirrung recht zügig und alle spielen recht konzentriert ihren Stiefel herunter. Die Spieldauer liegt mit ~90 Minuten in dem für Schwergewichte üblichen Rahmen und am Ende ist das Ergebnis mit 50-49-44-41 relativ eng zusammen.

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Macht „My Village“ nun Spaß? Hm. Ich weiss nicht. Zunächst: es funktioniert tadelllos und es gibt von Material und Regeln nichts zu meckern. Der Mechanismus mit dem Würfelpool, aus dem wir nacheinander die Aktionswürfel abgreifen, ist interessant und führt regelmäßig zu kleinen Grübelattacken. Es gibt mehrer Pfade zum Sieg und genug interessante Entscheidungen. So gesehen gibt es nichts zu beklagen. Allerdings ist das ganze dann doch recht trocken, noch trockener als das original „Village“. Da hatten wir wenigstens noch einen echten Dorfplatz und eine kleine Landschaft zu bereisen. Hier schieben wir nur noch Karten hin und her. Und Details gibt es mal wieder, viele Details. Punkte hier, Punkte dort, Extrafunktionen hier, Extrafunktionen dort. Und mal wieder ist die Interaktion sehr indirekt. Ab und zu mal ne Karte oder nen Würfel wegschnappen, ansonsten tüddelt jeder für sich alleine. Ich sag jetzt mal: wer das alte Village mochte und generell kein Problem mit eher kleinteiligen Spielen hat, könnte mal drauf schauen. Für mich aber eine eher mittelmäßige Spielerfahrung, der ich 2015 eine ganze Reihe anderer Titel vorziehen würde.


2. Completto von Heinz Meister, Schmidt Spiele2015

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Hoppla, schon wieder 22:15? Wie konnte das geschehen? Egal, schnell noch einen flotten Absacker. „Completto“ von (schöner Name) Heinz Meister.  Vor uns liegen 100 feine Steine aus Holz, einseitig bedruckt mit den Zahlen von (tadaa!) 1 bis 100. Verdeckt werden diese gemischt, und ebenso verdeckt bekommt jeder von 17 an der Zahl die er in einer langen Reihe vor sich auslegt. Ziel: Als erster in dieser Reihe 17 offene Zahlen in aufsteigender Reihenfolge liegen haben.

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Die Zugfolge ist einfach. Wenn ich dran bin, habe ich zwei Möglichkeiten: Option 1: einen Stein aus der Mitte ziehen, aufdecken und in damit einen meiner verdeckten Steiner ersetzen.  Das geht nur, wenn danach alle offenen Steine in meiner Reihe aufsteigend sind. Geht das nicht, habe ich’s vergeigt und der von mr gezogene Stein geht offen in die Mitte zurück. Gut für die nachfolgenden Spieler die sich diesen dann kaltlächelnd unter den Nagel reißen können.

Option 2: Einen noch verdeckten Stein aus der eigenen Reihe an eine andere Position schieben und so Anlegemöglichkeiten schaffen, die vorher nicht exisitierten.

Schaffen wir es zudem, zwei direkt benachbarte Zahlen zu platzieren (etwa 22 und 23) dann winkt ein Sonderzug. Und so versuchen wir nach und unsere Reihe zu komplettieren, hier mal im Zeitraffer dargestellt:

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Das ist es im Wesentlichen. Erinnert ein wenig an 5 vor 12 von Ravensburger, nur noch einfacher. Zwei Partien haben wir gespielt und ob es gut läuft oder nicht, hängt doch im Wesentlichen vom Glück beim Nachziehen ab. Das muss keine Schande sein und macht als lockeres, letztes Spiel des Abends durchaus Spaß. Gekauft wird’s trotzdem nicht, da gibt es andere Leichtgewichte, die im Schrank weniger Platz verbrauchen.

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