Die unüblichen Verdächtigen, Kobayakawa & Zeugs

Puhhh … heute vier neue Spiele. Aus Aufwandsgründen (übersetzt „Faulheit“) entscheidet sich das Redaktionsteam „Mittwochsspielen“ daher auf eine reduzierte Darstellung der ausprobierten Titel. Will heißen: Gute/interessante Spiele bekommen mehr Raum, mittelmäßiges Zeug nur eine Kurzskizze.


1. Celestia von Aaron Weissblum, Heidelberger 2016

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Erster Kandidat aus der Kategorie „geht so“: Neuauflage des Zockspiels „Cloud 9“ aus dem Jahr ichweissnichtmehr (2003?). Fand ich damals schon sehr mäßig.

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Im Prinzip reduzierbar auf:  Spieler hat Farbkarten auf der Hand. Spieler würfelt, wieviele Karten in welchen Farbe er ablegen muss. Alle anderen raten, ob er das kann. Taktik: Richtig raten oder schöne Sonderkarten ziehen. Sehr beliebig, begrenzt spaßig, nichts für mich. Aber das Pappluftschiff ist schön.

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2. Kobayakawa von Jun Sasaki, Heidelberger 2016

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Wieviel Spiel kann man aus 15 Karten mit den Werten 1-15 und einer Handvoll Chips machen? Antwort: Genug, um uns geraume Zeit prächtig zu unterhalten. Kobayakawa ist ein seltsames Spiel: man kann die Regeln in weniger als 5 Minuten erklären, aber den Spielreiz sieht man erst, wenn man es selbst zockt.

Was passiert: Ziel ist, über 7 Runden möglichst viele Chips zu ergattern. Jeder Runde ist denkbar einfach: Es gibt 15 Karten mit den Werten von 1-15. Jeder bekommt eine verdeckt auf die Hand, eine weitere kommt offen in die Mitte. Jeder ist genau einmal dran. Wenn ich dran bin habe ich genau zwei Möglichkeiten:

  • Eine Karte ziehen und damit die offene Karte in der Mitte überdecken
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  • Eine Karte ziehen, auf die Hand nehmen und dann einer meiner beiden Handkarten ablegen
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Nur eine Runde geht das und danach gilt: wer den höchsten Punktewert hat, gewinnt. So weit so einfach. Der erste Clou ist nun: wer die niedrigste Punktekarte auf der Hand hat, bekommt den Wert der offenen Karte in der Mitte hinzuaddiert. Also: In der Mitte liegt eine 7. Alice hat eine 14, Bob eine 12 und Charlie eine 8. Dann hat Charlie die niedrigste Karte und darf zu ihrer 8 noch die 7 aus der Mitte addieren. Macht 15 und reicht für den Sieg. Der zweite Clou: man zockt nicht automatisch mit um den Rundensieg. Bevor die Karten aufgedeckt werden entscheidet sich jeder, ob er aussteigen will oder sich für eine Chip in Rennen um den Pott einkaufen will. Heisst: man ist dem Glück nicht hilflos ausgeliefert sondern kann selbst entscheiden, wann man ins Risiko geht.

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Was macht nun den Reiz aus? Wie ich schon sagte: man kann die Regeln darstellen aber nicht den Spielspaß wiedergeben. Kobayakawa ist auch ein Zockspiel (s.o.) aber in seiner reinsten und minimalistischsten Form. Versuche ich auf hohe Karten zu gehen oder hoffe ich, als niedrigste Karte den Bonus aus der Mitte einzusacken?  Welcher Bonuswert könnte noch zum Sieg reichen? Zocke ich mit um den Pott oder kneife ich? Eine Runde, eine Aktion, eine finale Entscheidung. Mehr nicht, macht aber trotzdem einen Höllenspaß. Ist das jetzt der neue japanische Spielstil? Auch Love Letter ist in meinen Augen ein Meisterwerk, das aus äußerst minimalistischen Regeln ein tolles Spielerlebnis zaubert. Klar: beides sind Leichgewichter aus der Absackerkategorie. Aber äußerst elegant designed! Einziger Haken: Funktioniert erst in großen Gruppen (5 oder 6 Spieler) so richtig gut. Trotzdem von mir klare Empfehlung. Und wer zu geizig ist, kann es sich selbst zusammenstellen – 15 Karten, 32 Chips und ab geht’s.


3. Die unüblichen Verdächtigen von Paolo Mori, Heidelberger 2016

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Kann man einem Menschen an der Nasespitze ansehen, dass er tierlieb ist, ungern Weihnachten feiert aber dafür gerne mal ins Stadion geht? In diesem Spiel muss man es!

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„Die unüblichen Verdächtigen“ ist ein kooperatives Tippspiel mit entfernten Anleihen an Codenames. Portäts von 12 Personen liegen in der Mitte. Eine davon („Person X“) wird gesucht, aber nur einem Spieler (dem „Tippgeber“) ist bekannt, welche. Die anderen müssen raten. Das geht nach dem Eliminationsprinzip: der Tippgeber deckt eine Karte auf, auf der im weitesten Sinne eine Charaktereigenschaft steht, etwa: „Geht er/sie campen?“.

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Nun muss der Tippgeber ansagen, ob seine Person X wohl gerne Campen geht. Sagt der Tippgeber nun „Ja, Person X geht gerne Campen“, dann muss die Tippgemeinschaft nun möglichst viele Personen aussortieren, die wohl nicht gerne Campen. Das dumme nur: niemand weiss, ob Person X oder sonstein Mensch aus der Mitte dem Camping fröhnt. Wir müssen einzig allein basierend auf dem Aussehen der Person raten, oder besser urteilen, oder noch besser vorurteilen.

Die junge Dame mit dem schicken Hütchen? Viel zu elegant um sich in Sammelduschen rumzutreiben. Die Oma mit dem Kopftuch? Die hat Rheuma und liegt lieber im eigenen Bett. Der Asi mit dem Oberlippenbart? Der hängt lieber in Spielhallen rum. So bewerten wir vollkommen unbekannte (und zum Glück fiktive) Personen rein nach ihrem Äußeren. Und dabei bleibt es nicht harmlos: „Hasst Weihnachten“, „Hat Streit mit Nachbarn“, „Trinkt oft Alkohol“. Wohl dem, der sowas schon von weitem sieht.

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Über mehrere Runden geht das, bis wir den oder die Gesuchte(n) gefunden haben oder eben auf der Suche nach Person X versagt haben. Auf dem Weg dahin, geht uns ein ums andere Mal ein Licht auf, denn wir sind, halb im Scherz, halb ernstgemeint gezwungen, uns mit unseren Weltbilden auseinanderzusetzen. Das ist spieltechnisch solide, aber auf einer Metaebene höchst faszinierend; eine Einschätzung die Stefan auch aus seinen anderen Spielrunden bestätigt. Ein bemerkenswertes Spiel.

Epilog: Welcher Mitglied der Mittwochsrunde ist hier gesucht?

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4. Dao von Andy Hopwood, Amigo 2016

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Kartoffelbrei aus der Packung: kann man essen, macht satt, tut nicht weh. Dieses Spiel auch: Karten liegen in der Mitte. Wir können sie nehmen oder auch nicht. Sammle eine Farbe lang, die anderen möglichst gar nicht. Ist – zumindest zu fünft – wenig aufregend. Brauch ich nicht. Krieg ich auch nicht.

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Dabei waren: Matthias, Philippe, Hubert, Stefan, Jerry
Gespielt wurde bei: Philippe (Ducksteiner for the win!)

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2 Gedanken zu “Die unüblichen Verdächtigen, Kobayakawa & Zeugs

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