Soloabend: Orleans Invasion und German Railroads

Von Pandemic gibt es die vielbeachtete Kampagnenversion Pandemic Legacy. Genauso bekannt, aber etwas weniger populär ist der Ableger „Grippewelle – Season 2016“. An diesem semi-kooperativen MMRG (Massive-Multiplayer Realtime-Game) für 2 bis 2.000.000.000 Spieler nehmen diese Woche Stefan, Philippe und Tom teil und sind ergo verhindert. Da die anderen Mittwochsspieler ebenfalls anderweitig verplant sind, vertreibt sich Jerry die Zeit mit ein paar Solospielen. Hoffen wir mal, dass „Grippewelle“ bis nächste Woche durchgespielt ist und dann wieder mehr Leute an Bord sind.


1. Orleans Invasion von Reiner Stockhausen, Inka & Markus Brand, dlp Games 2015

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„Invasion“ ist die erste große Erweiterung für das ausgezeichnete Basisspiel „Orleans“. Wobei „Erweiterung“ nur halb zutreffend ist, denn Orleans Invasion ist eher eine Sammlung von Spielszenarien: kooperativ, für zwei Spieler, für viele Spieler und solo. In allen Fällen bleibt dabei der Basismechanismus („Bag Building“) aus Orleans erhalten.  Das Grundprinzip der Soloszenarien ist recht simpel. Es gibt:

  • Ein Spielziel wie z.B. „Reise auf der Karte von A zu B und sammle dabei x Waren auf“,
  • Eine feste Folge an Ereignissen, die Runde für Runde eintreten.
  • Fehlende und/oder zusätzliche Spielmaterialien

Weil die meisten, aber eben nicht alle Materialen des Grundspiels benötigt werden, dauert dabei der Aufbau einer Solopartie ironischerweise sogar noch länger, als beim Mehrpersonenspiel.

Einen Vorgeschmack auf die Solopartien gab es übrigens schon im Herbst, als ein einzelnes Soloszenario also Promo-Artikel auf der „Spiel“ verteilt wurde:

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In meiner Partie gilt es nun, über 16 Runden mindestens 8 Bürgerplättchen zu sammeln, die teilweise an den gewohnten Stellen liegen und teilweise auf dem Plan, den man wie gewohnt mit seiner Händlerfigur bereist.  Wichtig für den Ablauf des Spiels ist dabei die Folge der Rundenereignisse:

Rundenereignisse
Rundenereignisse

In diesem Szenario werden ab dem zweiten Drittel des Spiels wiederholt Geldzahlungen vom Spieler gefordert, was zu nette Zwängen führt: zum Einen möchte man den Plan bereisen und dort möglichst viele Bürger einzusammeln (Spielziel), zum anderen will man wie gewohnter den eigenen Pöppelbeutel ausbauen (Engine vorantreiben) und zum dritten ist man immer wieder gezwungen, Geld zu erwirtschaften, um die von Szenario geforderten Beträge zahlen zu können.

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Der Ablauf eines Solo-Szenarios ist zügig und dauerte bei mir ca. 20-25 Minuten, was mir angesichts des recht aufwändigen Aufbaus etwas zu kurz vorkommt. Am Ende konnte ich die gestellte Aufgabe (Schwierigkeit „leicht-mittel“) ohne große Mühe lösen.

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Fazit: Das Spielgefühl der Soloszenarien ist nahe am Original und zumindest zu Beginn des Spiels sollte man sich ein paar Gedanken machen, wie man das ganze angeht. Gleichwohl sind die beiden „leichten“ Szenarien unterm Strich wirklich leicht. Und hat man sie erstmal gelöst, sinkt der Wiederspielwert doch rapide ab. Als nächstes kommen also die beiden schwereren Aufgaben auf den Tisch. Insgesamt: eine nette Abwechslung aber nicht ganz so toll, wie das Vollspiel.


2. Russian Railroads: German Railroads von  Helmut Ohley, Leonhard Orgler, Hans-im-Glück 2015

Und noch eine Erweiterung mit Solo-Komponente, diesmal für das von mir hoch geschätzte Russian Railroads. Primär besteht „German Railroads“ natürlich aus der großen Deutschlanderweiterung mit neuen Spielerbrettern, modularen Strecken und Kohleloren. Viel Zeugs welches das Basisspiel deutlich variabler macht.

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Sehr viel schlanker kommt dagegen das in der Erweiterung eingeführte Solospiel daher: es besteht schlicht und einfach aus einem Satz von Karten, auf denen die verschiedenen Aktionsorte des Spielbrettes abgebildet sind. Auf der Rückseite der Karten prangt das Konterfei eines putzigen Hundes, der laut Spielanleitung auf den preußischen Namen „Emil“ hört.

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Emil spielt gegen den Solospieler und – weil er nur ein Hund ist – ist Emil nicht gerade der Hellste. Wenn Emil am Zug ist, wird einfach die oberste Karte von Emil-Stapel aufgedeckt und das entsprechende Aktionsfeld blockiert.  Wenn Emil Lokomotiven nimmt, werden diese tatsächlich entfernt, ansonsten reicht es dem kleinen Kläffer aber, dem Solospieler die Felder wegzuschnappen. Emils Züge sind genauso einfach wie schnell.

Das ist genau so zügig verstanden wie aufgebaut, spielt sich in der Praxis dann aber doch erfreulich herausfordernd. Denn gerade weil Emil so erratisch agiert, baut sich für den Solospieler eine ähnliche Spannung auf, wie im Mehrpersonenspiel, denn man weiß nie so genau, was Emil im nächsten Zug so aushecken wird. Und auch die Spielabläufe variieren stark: wenn Emil z.B. oft Lokomotiven nimmt, kommen schnell und früh die begehrten hohen Loks ins Spiel und die Partie nimmt merklich Fahrt auf. Verschmäht Emil aber die Züge, muss der Spieler sich allein durcharbeiten, was das Spiel entsprechend langsamer macht.

Interessanterweise gibt es hier keine besondere Aufgabe wie bei Orleans Invasion. Stattdessen spielt man nur gegen sich selbst, versucht möglichst viele Punkte zu holen und/oder verschiedenen Strategien zu erproben. Das ist ein sehr einfaches Prinzip, das schon in Imperial Settlers hervorragend umgesetzt wurde. Und obwohl ein spezifisches Ziel fehlt, macht diese High-Score-Jagd jede Menge Laune – auch längerfristig.

Fazit: Die Solo-Variante von Russian Railroads ist zügig aufgebaut, macht Spaß und ist vor allem unkompliziert. So unkompliziert, dass sie auch ihren Weg in die Yucata-Version von RRR geschafft hat, wo man seit wenigen Wochen nun auch gegen den kleinen Hund Emil antreten kann.  Erfreulich ist zudem, das Emil in allen RRR Ausbaustufen eingesetzt werden kann: Basisspiel, Deutschland-Erweiterung, Kohle-Erweiterung. Insgesamt: Eine sehr empfehlenswerte Solovariante für ein ohnehin schon ausgezeichnetes Spiel.

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3 Gedanken zu “Soloabend: Orleans Invasion und German Railroads

  1. Ich selbst habe bisher noch keine Solo-Varianten von Brettspielen gespielt – bisher hat mich das nicht so interessiert – aber so vom Prinzip her, finde ich den Gedanken eigentlich gar nicht mal schlecht, damit tritt einfach nicht mehr das Problem auf, dass man das Spiel gerne spielen möchte, es aber nicht kann, weil nicht genügend Mitspieler da sind.
    Wie gern hätte ich mir das früher bei den Catan-Spielen gewünscht 😀

    Naja heute ist das alles schon ein bisschen anders. Danke für das Zeigen der Solo-Varianten! Wenn sich die gelegenheit bietet, dann werde ich das wohl auch mal ausprobieren 🙂

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    1. Danke für das Lob!

      Die schönste Einzelspielerversion hat m.E. Imperial Settlers. Zum Einen ist sie super unkompliziert: kein großer Aufbau, einfach Karten mischen und los geht’s. zweitens ist sie flott: da wo ein Imperial Settlers zu viert fast 2h dauert geht die Soloversion in unter 30 Minuten über die Bühne. Und drittens hat das Spiel diesen schönen Puzzlecharakter, der es m.E. besonders herausfordernd macht.

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      1. *auf die ToDo-Liste kritzel*

        Ja, über Imperial Settler habe ich auch schon das eine oder andere gelesen – mal sehen, vielleicht wandert das demnächst ja mal zu mir, dann werde ich berichten 🙂

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