Kerala, Potion Explosion, Willkommen im Dungeon, Dream Islands

Eigentlich wollten wir uns heute als Weinbauern an das überarbeitete Viticulture wagen, aber weil keiner Zeit zum Regellesen hatte, gibt’s stattdessen vier „leichte“ Spiele. Vier Spiele = viel Text.


1. Kerala von Kirsten Hiese, Kosmos 2016

Der ideale Spieleabend startet mit dem besten Spiel. Das motiviert! In diesem Fall: „Kerala“. Vorweg das obligatorische Genörgel: Was in aller Welt hat sich KOSMOS bei Titel und das Thema dieses Spiels gedacht? „Ein Elefanten-Festival in der indischen Provinz Kerala“? Was für ein Bullshit! Denn in Wirklichkeit haben wir hier einen astreines Städtebauspiel (neudeutsch City Builder) vor uns.

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Kerala ist ein schlankes Legespiel: jeder Spieler baut seine eigene Auslage auf, die aus Plättchen in 5 verschiedenen Farben besteht. Ziel ist es, alle 5 Farben zu verbauen und dabei die Plättchen einer Farbe zusammen zu halten. Pluspunkte gibt’s für Symbole auf den Plättchen, Minuspunkte für fehlende oder abseitig gebaute Farben.

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Die Zugstruktur ist simpel: ein Plättchen pro Spieler liegt in der Mitte. Der Startspieler nimmt sich eins, die andern folgen reihum. Dann legt jeder sein Plättchen in die eigene Auslage, immer in Nachbarschaft zu einer der beiden zwei Elefantenfiguren, welche dann auf das neue Plättchen wandert. Die Elefanten sind also faktisch die Bauarbeiter, die bestimmen, wo in der eigenen Stadt gewerkelt werden kann. Anschließend geht’s direkt weiter: neuer Startspieler, neue Plättchen und das so lange, bis alle Bauteile verbraucht sind. Manche Plättchen erlauben zudem Sonderaktionen, wie das Umsetzen eines Elefanten oder das Verschieben eines Plättchens.

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Das ist von Regeln und Ablauf her eingängig, in der Durchführung dann aber deutlich fordernder als gedacht. Denn der Zwang, Farben zusammenhängend bauen zu müssen, bringt uns spätestens in der zweiten Spielhälfte mächtig ins Schwitzen, denn isoliert liegende Plättchen schlagen mit deutlichen Minuspunkten zu Buche. Auch der Blick zu den Nachbarn lohnt sich: was braucht den Kollege links von mir? Kann ich ihm was wegschnappen? In unserer Proberunde hat Stefan den besten Überblick und siegt nach etwa 30 Minuten souverän mit 45 zu 39/38/36.

Fazit: Nach einer Partie ist es sicher zu früh, über Kerala abschließend zu urteilen, aber der erste Eindruck ist hervorragend: das Spiel ist gut zugänglich für Gelegenheitsspieler, bietet aber gleichzeitig genug interessante Entscheidungen für Geeks. Der Spielablauf ist flüssig, alle sind mehr oder weniger gleichzeitig beschäftigt. Insgesamt ein sehr schönes „Gateway-Game“ das gerne wieder auf den Tisch kommen darf und für mich ein Kandidat für die Spiel-des-Jahres Listen ist.


2. Potion Explosion von Lorenzo Silva et. al, HG/Heidelberger 2016

Pflichtplatitüde vorweg: „Potion Explosion“ ist „Candy Crush“ als Brettspiel.

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Wir brauen Zaubertränke, bestehend aus bunten Murmeln. Diese nehmen wir von einer raffiniert aufgebauten, mehrbahnigen Rampe. Eine Murmel darf ich stets wegnehmen. Stoßen anschließend nachrollende gleichfarbige Murmeln aneinander, darf ich diese ebenfalls nehmen. Ergatterte Murmeln lege ich auf meine Tränke und wenn einer voll ist, gilt er als gebraut was mir zum einen Siegpunkte gibt und mir zum anderen Sonderaktionen ermöglicht.

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Die Murmelrampe ist dabei ein echter Blickfang und funktional gut gelungen. Die spielerische Herausforderung entfaltet sich aber erst durch die Kombination der Farbmustern auf der Rampe mit den Sonderfähigkeiten meiner bereits gebrauten Tränke. Und da heißt es aufpassen, denn es geht so allerhand: Murmeln bestimmter Farben oder Positionen nehmen, Murmeln stehlen oder umfärben und das alles zu einem beliebigen Zeitpunkt im eigenen Zug.

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Und so ist Potion Explosion in der Ausführung doch deutlich weniger flüssig, als das lockere, bunter Thema verspricht. Ein ums andere Mal müssen wir genau hinschauen, um einen idealen Zug zu planen, was zu fühlbaren Wartezeiten führt. Auch scheint das Spiel einen zumindest leichten Weglaufeffekt zu haben: wer früh Tränke fertig stellt, erhält frühe Sonderaktionen was das Ergattern neuer Tränke wiederum erleichtert. Unsere Partie dauert etwa 40 Minuten und am Ende gewinnt Startspieler Jerry mit 64 zu 58/57/54.

Fazit: Haptisch und optisch orginell, für mich aber nicht fesselnd genug, um wieder auf den Tisch zu kommen. Auch bin ich mir hinsichtlich der Zielgruppe nicht ganz sicher: vom Design her spricht es sicher die Generation App-Gamer an, ist aber von Regeln und Ablauf her schon im (für Familienspiele) gehobeneren Segment anzusiedeln.


3. Willkommen im Dungeon von Masato Uesugi & Paul Mafayon, IELLO/Heidelberger 2016

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Schnelles, schmutziges „push-your-luck“ Spiel: In der Mitte liegt ein Held, ausgestattet mit Schild, Schwert und Schutzzauber. Neben ihm ein Stapel Karten bestehend aus den fiesesten Monstern, die man in einem amtlichen Verlies antreffen kann. Einer der Spieler wird mit dem Helden ins Verlies ziehen um dort entweder Kohle oder Keile mitzunehmen.

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Der Ablauf ist simpel: Bin ich dran habe ich zwei Möglichkeiten: Passen und dabeibleiben. Bleibe ich dabei, ziehe ich eine Monsterkarte. Diese kann ich nun entweder ins Verlies legen (dann muss der Held später dagegen kämpfen) oder zusammen mit einem Ausrüstungsteil des Held abwerfen. So oder so: entweder es kommen mehr Monster ins Verlies oder der Held wird schwächer.

Nach und nach steigen die Spieler aus bis nur noch einer im Spiel bleibt. Dieser muss dann mit seinen verbliebenen Ausrüstungsteilen das Monsterdeck kartenweise besiegen. Ist man erfolgreich, winkt ein Schatz. Wenn nicht gibt’s Kloppe. Wer zwei Schätze hat gewinnt. Wer zweimal Kloppe kriegt, fliegt raus.

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In unserer Runde (ca. 20 Minuten) spielt Jerry die Hühnchenstrategie und hält sich aus allen Expeditionen ins Verlies heraus. Ergebnis: die anderen beziehen Runde um Runde Senge und scheiden einer nach dem anderen aus. Am Ende gewinnt Jerry als last Man standing ohne auch  nur einmal erfolgreich ins Verlies geklettert zu sein.

Fazit: Insbesondere zu Beginn des Spiels wenn noch alle Spieler an Bord sind ist „Willkommen im Dungeon“ quasi gar nicht steuerbar. Früh aussteigen und den anderen beim Sterben zusehen ist auf jeden Fall eine veritable Strategie. Später, wenn sich das Feld ausgedünnt hat, wird das Spiel deutlich taktischer und auch spannender. So bleibt insgesamt ein zwiespältiger Gesamteindruck und von meiner Seite nur eine bedingte Empfehlung.


4. Dream Islands von Lorenz Kutschke, Schmidt 2016

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Das letzte Spiel des Abends im Schnelldurchlauf: Wir hoppen mit Urlauberpöppeln von einer imaginären Karibikinsel zur nächsten.

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Sechs Urlauber hat jeder Spieler, dazu einen Satz Aufgabenkarten die erfüllt werden wollen, wie etwa „Drei Urlauber auf einer Insel“ oder „Die meisten Urlauber auf Insel Nummer 5“. Hat man eine solche Aufgabe erfüllt, kann man die Karte ablegen. Wer als erster alle Aufgaben erfüllt macht das Spiel zu und gewinnt es i.W. auch.

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Der Spielablauf ist dabei einfach: wenn ich dran bin, verteile ich 2 bis 5 Bewegungspunkte auf meine Touristen und versuche so, möglichst viele meiner Aufgabenkarten abzuhaken. Stefan hat mal wieder den Plan und macht nach etwa 25 Minuten deutlich vor Philippe und Jerry den Sack zu.

Fazit: Sehr leichgewichtig ohne große taktische oder gar strategische Möglichkeiten. In aller Regel spielt man situativ, sprich auf die direkt nächsten Aufgaben hin. Gut als schneller Absacker, Mehr aber auch nicht.


Dabei waren: Stefan, Ludger, Philippe, Jerry

Gespielt wurde bei: Jerry

 

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4 Gedanken zu “Kerala, Potion Explosion, Willkommen im Dungeon, Dream Islands

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