World of Yo-Ho

Brett- und Computerspieler – zwei Welten treffen aufeinander. Eine schnelle Typologie:

Brettspieler Computerspieler
Sitzen bei bestem Wetter im Haus Sitzen bei bestem Wetter im Haus
Tragen ulkige T-Shirts Tragen ulkige T-Shirts
Halten Deo für überbewertet Wissen nicht, was Deo ist
Bedienen einen Nischenmarkt Bedienen einen Massenmarkt
Phlegmatisch Hyperaktiv
Trinken Wasser oder Bier Trinken Red Bull oder effect
Sammeln sinnlos viele Schachteln Sammeln sinnlos viele Skillpoints
Schweigen sich gerne an Beschimpfen sich gerne

Gescheiterte Versuche, diese beiden Ökosysteme unter einen Hut zu bringen, gab es schon etliche. Mit World of Yo-Ho liegt nun ein weiterer Anlauf auf dem Tisch, Digitales und Analoges zu vereinen.


DSC03933 (Medium)

Der Ansatz: Smartphones als intelligente Spielsteine. Das Szenario: Piraten der Karibik. Dazu wird ein großflächiger Spielplan augebreitet, auf dem unsere schlauen Handys als Piratenschiffe hin- und her geschoben werden. Ein Handy pro Nase sollte es sein und natürlich muss die zugehörige App vorher runtergeladen werden.

Nach kurzer Einrichtungsphase, in der wir alle Handys ins WLAN hängen, kann es losgehen. Jeder Spieler wählt Kapitän und Schiff und dann stechen wir in See. Unsere Handys werden auf ihre Startorte gelegt, was direkt zum ersten A-ha-Effekt führt. Denn sobald ein Hand auf dem Plan liegt, sieht man auf dem Display den darunter liegen Ausschnitt des Spielbretts samt digitialer Zusatzelemente wie Schiff, Wellen oder Seeungeheuer, gerade so als wäre das Hand halbdurchsichtig. Das sieht stimmig und toll aus (siehe auch den YouTube Trailer)

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Ebenso schick gelöst ist die Bewegung unserere Schiffe auf dem Brett. Um in ein Nachbarfeld zu segeln, schieben wir einfach das Handy in die entsprechende Richtung, was das Gerät mit Hilfe seines Bewegungssensors erkennt und uns nach einer schönen Animation an neuer Stelle verortet. Unser Handyschiff muss dabei stets innerhalb eines Feldes liegen, was das Verfahren insgesamt recht robust macht.

Erreicht unsere digitale Galleone einen Hafen,können wir diesen duch Antippen betreten. Die App fordert uns nun auf, das Gerät in die Hand zu nehmen. Unbeobachtet von den Mitspielern können wir dann Aufträge annehmen oder am Markt Ausrüstung für unser Schiff kaufen.

Das macht Sinn, denn das Spielprinzip ist grob umrissen mit „Auf Achse“ nebst Austausch von Freundlichkeiten. Die in den Häfen erhaltenen Aufträge laufen zumeist nach dem Muster  „Bringe A nach B“ oder „Erforsche Insel C“ oder „Greife Spieler D“ an. Zwei Aktionen hat man dabei pro Zug, die in aller Regel für’s Segeln, Kämpfen oder Ankern ausgegeben werden.

Kämpfe gibt es dabei gegen zufällig auf dem (digitalen) Brett auftauchende Monster, oder gezielt gegen die werten Mitspieler. Letzteres geht mit Hilfe der in den Häfen erworbenen Waffensystemen wie Kanonenkugeln oder Enterhaken über die Bühne. Dabei werden wir erneut von schicken Animationen erfreut, diesmal mit fliegenden Kugeln oder Säbeln.

Für Aufträge oder verkloppte Gegner gibt es Geld und Siegpunkte; gespielt wird bis zu einer vorher gewählten Punktzahl. Das dauerte in unserem Fall („mittleres“ Spiel) ca. 90 Minuten.

Spieltechnisch ist World of Yo-Ho sehr leichte Kost, denn die wesentlichen Entscheidungen beschränken sich auf die Auswahl der Aufträge und Waffensysteme. Das führt zu einem stark schwankenden Aufmerksamkeitslevel: Segeln übers Feld geschieht fast schon beiläufig, Ankern im Hafen dauert seine Zeit. Interaktion gibt es bei den Seeschlachten, ansonsten kann man während der gegnerischen Züge gepflegt vor sich hin träumen. In unserer Proberunde führt das zu einem seltsam entspannten Spielerlebnis: wo sonst eher schweigend gegrübelt wird oder (bei Partyspielen) die Worte hin und her fliegen, fanden wir hier Zeit, nebenbei die aktuelle weltpolitische Lage zu erörtern.

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Die entscheidende Frage ist nun: Ist die Verschmelzung analog-digital hier gelungen? Die Antwort fällt (leider) wieder zwiespältig aus. Zunächst ist festzuhalten: technisch ist World of Yo-Ho sauber und robust gelöst und auf einem ganz anderen Niveau als z.B. die m.E. mäßige Ravensburger SmartPlay Reihe. Das Grafik- und Audiodesign ist tadellos und eine echte Bereicherung des Spielerlebnisses. Auf der anderen Seite muss man aber feststellen, dass der spielerische Gewinn durch die App begrenzt ist: fast alles, was die App kann, hätte man auch klassisch lösen können, z.B. durch Auftrags-, Kampf- und Ereigniskarten. Für uns Vielspieler ist klar: das erste Spiel ist wegen des Staunfaktors noch interessant, aber auf lange Sicht wäre das Spiel in der derzeitigen Form zu seicht für uns.

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Fazit: World of Yo-Ho bietet eine ansprechend aufgesetzte, robuste Technik, die aber ihr Potenzial (noch?) nicht annähernd ausnutzt. Hier ginge viel mehr wie z.B. ein echter Kampagnenmodus oder komplexeren Interaktionen in den Häfen. All das könnte in der App sicher nachgelegt werden – falls der Hersteller bereit und in der Lage ist, die entsprechenden Entwicklungsressourcen zu investieren.


Dabei waren: Stefan, Jochen, Philippe, Jerry

Gespielt wurde bei: Jerry

 

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