Krazy Wördz, Happy Birthday, Crossing, Broom Service Kartenspiel

Zi|tae|sie [f, griech.] Benigne Erkrankung der parietalen Großhirnrinde. Führt unbehandelt zu abnormen Haarwuchs.


Heute am Tisch: Sechs motivierte Mittwochsspieler. Heute auf dem Tisch: Vier lockere Spiele für große Runden.  Wie immer bei großer Spielemenge in reduzierter Darstellung.


1. Broom Service – Das Kartenspiel von A.Pelikan & A.Pfister , Ravensburger 2016

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Bare Bones Broom Service würden wir Hardwaretechniker sagen: Ein Spielsystem, reduziert auf seinen absoluten Kern. In der Kartenspielversion von Broom Service sammeln wir auf bunten Karten abgebildete Tränke in verschiedenen Farben. Das Spiel folgt dabei dem bekannten Mutig/Feige Mechanismus seiner Vorbilder: Der Spieler in Vorderhand spielt eine Karte in einer (Trank-)Farbe aus, die anderen müssen bedienen. Wer ausspielt sagt an, ob er seine Karte mutig oder feige spielt. Feiges Ausspielen garantiert einen Trank, Mutiges Ausspielen derer drei, aber nur, wenn hinter mir kein andere Spieler „mutig“ spielt und mich damit übersticht.

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Im Bild: Drei Hexen und zwei Trolle

Ein Spielbrett gibt es nicht, alles was wir bekommen, legen wir vor uns ab. Nach vier Runden mit je drei Stichen ist Schluss und es gibt Punkte, je länger ich eine Farbe habe, desto mehr. Zusätzlich gibt es noch Sonderpunkte für die Spieler, die bestimmte Farbkombinationen als erste vorweisen können.

Gesammelte Karten
Gesammelte Karten

Broom Service – Das Kartenspiel ist wirklich sehr reduziert. Vor allem in der Vollbesetzung von sechs Personen ist mit Taktieren und Steuern Schluss, denn ein ums andere Mal ist man – bis auf die obligatorische mutig/feige Entscheidung vollkommen ohne Steuermöglichkeit. Das ist – in dieser Spieleranzahl – für meinen Geschmack einfach nicht genug, um Lust auf eine zweite Runde zu wecken. Fairerweise müsste man dem Spiel allerdings in kleinerer Besestzung eine zweite Chance geben.

Fazit: Nach „Die Burgen von Burgund – Das Kartenspiel“ ist die abgespeckte Variante von Broom Service eine weitere Kompaktversion, die zumindest zu sechst nicht hält, was der große Bruder verspricht.


2. Happy Birthday von Brian Weinstock, Amy Weinstock , Kosmos 2016

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Gift Trap ist bei meinen Teenagerkindern ein Dauerbrenner. Die schicke Aufmachung und das tolle Thema „Schenken“ sind genug, um das Spiel immer wieder im Freundeskreis unter großen Gelächter auf den Tisch zu bringen. Einzig die friemelige, latent unübersichtliche Auswertung nervt. Aber jetzt gibt’s Abhilfe aus dem Hause Kosmos: „Happy Birthday“ folgt dem selben charmanten Prinzip wie Gift Trap, besticht dabei aber durch ein wesentlich eleganteres Handling.

Reihum hat jeder Mitspieler Geburtstag. Von der Hand schieben alle anderen dem Jubelkind je eine sorgfältig ausgesuchte Geschenkkarte zu. Dann werden die Karten gemischt, der Beschenke sucht sich daraus das beste und das schlechteste aus und für die Überbringer dieser beiden Präsente gibt es je einen Punkt. Das war’s.

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Ein Geschenk kam nicht so gut an

Happy Birthday schafft zwei wesentliche Verbesserung des Schenkprinzips: erstens wird zu einem Zeitpunkt immer nur ein Spieler beschenkt, was das Spiel deutlich übersichtlicher macht. Dabei kommt sogar so etwas wie Vorfreude auf, während man darauf wartet, endlich auch mal beglückt werden. Der zweite Kunstgriff ist, dass es Punkte für das beste und für das mieseste Geschenk gibt. Durch das Abgeben echter Schrottpräsente zu punkten, wünscht man sich im echten Leben manchmal auch.

Fazit: Gestalterisch nicht so spektakulär wie sein großes Vorbild, spielerisch aber eindeutig runder. Wird gekauft und den Teenies als neues Referenzspiel zugeschanzt.


3. Krazy Wördz von Baumann, Odenhoven & Schmitt , Fishtank 2015

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Dieses Spiel fordert unsere intuitives Sprachgefühl, denn es gilt, neue Wörter zu erfinden. Dazu zieht jeder Spieler einen Satz Buchstaben sowie (verdeckt) einen Begriff, den das neue Wort beschreiben soll. „Medikament gegen Durchfall“ ist da gefordert, „Finnischer Wintersportler“ oder „Der heißeste Ort der Erde“. Anschließend puzzlen wir gleichzeitig aus den uns jeweils zugelosten Buchstaben halbwegs überzeugende Kunstworte zusammen. Die Wörter und Begriffskarten in die Mitte gelegt und dann gilt es – wie üblich – zuzuordnen, welches Wort wohl zu welchem Begriff passt. Treffer bringen Punkte.

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Was in der Beschreibung eher nach einer trockenen Scrabble-Variante klingt, ist tatsächlich ein Mordsspaß. Ist „Lockex“ nun „Teil eines Raumschiffs“ oder doch eher eine „Synthetische Partydroge“?

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Und bekommt man „Glökon“ in einem türkischen Restaurant serviert oder ist es vielmehr etwas das den Papst zum Erröten bringt?  Das bringt unsere linke Gehirnhälfte in Schwung und öffnet reichlich Raum für Mutmaßungen, Fehldeutungen, Diskussionen und lautes Gelächter. Natürlich läuft Krazy Wördz wie alle Assoziationsspiele am besten, wenn ein gewisses Maß an Kreativität vorhanden ist.

Krazy Wördz kommt in zwei Ausgaben daher, einer jugendfreien und einer zweiten, uns vorliegenden Variante „ab 16“, in der sich auch Begriffe wie „anderes Wort für Oralverkehr“ oder „Kondommarke“ finden.  Für den Spielspaß ist dieses leicht schlüpfrige Element aber nur von untergeordneter Bedeutung.

Fazit: In größerer Runde ein Riesenspaß und m.E. zu Recht auf der Empfehlungsliste Spiel des Jahres.


4. Crossing von Yoshiteru Shinohara, Asmodee 2016

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Zu guter Letzt kommt noch etwas Bewegung an den Tisch, denn bei „Crossing“ ist Körpereinsatz gefragt: In der Mitte liegen Juwelen in 5 Schalen. Unser Ziel: möglichst viele davon in möglichst lukrativen Farbkombinationen einzusacken.

Die Beute
Die Beute

Komplizierte Aktionspunkte, Karten oder Workerplacement brauchen wir dazu nicht, sondern es reicht, auf die begehrte Schale mit dem Finger zu zeigen. Dies geschieht gleichzeitig: Drei-Zwei-Eins-Los! Auf Kommando deutet jeder auf die Beute seiner Wahl. Schön, wenn ich der einzige bin, der auf eine Schale zeigt, denn dann gehört der Inhalt mir. Blöd, wenn mehrere auf eine Schale deuten, denn die gehen alle leer aus.

Erschwerend kommt hinzu, dass wir nicht nur neue Edelsteine aus der Mitte nehmen, sondern auch von den werten Kollegen klauen können. Das wiederum kann verhindert werden, indem man man die eigene Ablage schützt – was in der Runde dann aber kein Einkommen gibt.

Crossing ist ein schnell erklärter und flott gespielter Absacker. Alle spielen gleichzeitig, gelungene Raubzüge werden bejohlt, über Fehlschläge geflucht und geheult. Trotz des chaotischen Elements ist trotzdem eine gewisse Steuerbarkeit da, denn man kann schon erahnen, welche Spieler auf welche Juwelen scharf ist, wo es sich lohnt zu stehlen und wann man seinen eigenen Kram besser in Sicherheit bringen sollte.

Fazit: Schwungvolles Ende eines gelungenen Spieleabends. Auch hier: gut für größere Runden.


Dabei waren: Hubert, Stefan, Philippe, Jochen, Matthias, Jerry

Gespielt wurde bei: Philippe

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