EXIT – Das Spiel (Essen Vorschau 2)

     


Sich einsperren lassen und dafür auch noch zahlen. Sowas machen nur rechtskräftig verurteilte Steuerbetrüger. Oder Spielefreunde, die sich in einen Live-Escape-Raum begeben. Die Mittwochsspieler hatten diesen Trend schon 2015 auf dem Kieker (Bericht), als sie sich aus Anlass von Philippes Geburtstag vom „Biest von Paderborn“ einlochen ließen und dabei jede Menge Spaß hatten.

Das Spielprinzip „Eingesperrt werden und sich frei knobeln“ findet nun auch Eingang in die Brettspielwelt. Mit „EXIT„/Kosmos, „Escape Room„/Noris und „Escape the Room„/ThinkFun werfen gleich drei Verlage ihre Interpretationen dieses Themas auf den Markt. Grund genug, genauer hinzuschauen.

Den Anfang macht Kosmos mit EXIT, einer Neuentwicklung von Inka und Markus Brand. Markus Brand war so freundlich, die etwas spärlichen Presseinfos telefonisch mit mehr Substanz zu füllen. Herzlichen Dank dafür! Da ich aber nichts spoilern will (auch für mich nicht), gibt es keine Detailinformationen zum genauen Charakter der zu lösenden Puzzles.

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Der Grundansatz bei EXIT ist klar: Die Spieler sind (virtuell) in einen Raum eingeschlossen und müssen sich schrittweise durch eine Sequenz von Rätseln knobeln, um letztendlich ihrem Gefängnis zu entkommen. EXIT ist dabei bewusst schlank gehalten und stützt sich primär auf Karten. Es gibt Rätselkarten, Lösungskarten und Hinweiskarten. Die Rätselkarten geben sozusagen den Handlungsbogen des Spiels vor und formulieren die zu lösenden Puzzles. Natürlich werden die Rätselkarten nicht alle auf einmal ins Spiel genommen, sondern kommen nach und nach auf den Tisch. Anders herum ist aber auch nicht jede Rätselkarte sofort relevant, sondern kann ggf. nur ein Vorgriff auf kommende Lösungsschritte sein. Es liegt an den Spielern, herauszufinden, welche Hinweise bzw. Puzzleelemente zusammengehören und wann sie relevant sind.

Zu einem Rätselschritt muss dann die passende Lösungskarte gefunden und verifiziert werden. Als Mittler dient dabei die sog. Codierscheibe, ein Gadget, mit der einer mutmaßlichen Lösung die passende Lösungskarte zugeordnet werden kann. Liegen die Spieler damit richtig, schaltet die korrekte Lösung neue Rätselkarten frei. Beim Auswerten einer Lösungskarte wird zudem sichergestellt, dass die Spieler das korrekte, dazu gehörende Rätsel bearbeitet haben. Dies verhindert, dass die Spieler durch Glück oder Versehen, Lösungen “außer der Reihe” freispielen.

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Wenn die Spieler nicht voran kommen, können sie sich über Hinweiskarten Tips geben lassen. Drei Hinweise pro Rätselschritt gibt es: zarte Andeutung, Wink mit dem Zaunpfahl und die tatsächliche Lösung. Klar: je weniger Hinweiskarten die Spieler benötigen, desto besser fällt die finale Bewertung aus. Als zweites Bewertungskriterium wird die benötigte Zeit herangezogen, die laut Markus Brand in den vielen Testspielen zwischen 40 Minuten bei schnellen Gruppen und bis zu 3 Stunden bei Gruppen mit Brett vorm Kopf lag.

Überhaupt Test: Ein Rätselspiel zu testen ist wirklich eine besondere Aufgabe, denn faktisch kann man jedes Spiel mit jeder Gruppe nur einmal testen. Auf der anderen Seite war das Autorenteam dadurch automatisch in der Situation, das Spiel in vielen, unterschiedlichen Besetzungen zu prüfen, was ganz nebenbei zeigte, ob das Spiel auch in heterogenen Besetzungen funktioniert. Markus Brand bezeichnet die Tests zu EXIT als die interessantesten und intensivsten seiner Autorenkarriere, weil er bis dato noch nie so emotionale Rückmeldungen bekommen habe (wir hoffen, hauptsächlich positive). Der thematische Aufwand bei EXIT ist übrigens eher überschaubar: es gibt ein Basisthema und eine grobe Rahmenhandlung, aber keine wirklich ausgefeilte Geschichte.

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Die Idee zu EXIT kam den zuständigen Redakteuren übrigens – wie könnte es anders sein – nach dem Besuch eines echten Live-Escape Spiels und man darf nun gespannt sein, wie sich die Wohzimmerversion im Vergleich zum echtem Live Spiel schlägt: Natürlich ist das Brettspiel minimalistischer und konzentriert sich primär auf den Rätselaspekt, während bei Live Spielen viel gesucht werden muss und auch exotische Elemente wie Gerüche, Klänge, Schwarzlicht oder andere Gimmicks ins Spiel kommen. Dafür können die Spieler in der Brettversion ihr eigenes Tempo machen: es gibt keine wirkliche Zeitbegrenzung, keine Spielleiterin die drängelt oder ungefragt Tipps gibt. So kann die Gruppe ihren eigenen Flow finden.

Wie gut EXIT ist, kann an dieser Stelle natürlich noch nicht bewertet werden. Ich persönlich freue mich aber, dass es erneut ein Spiel mit interaktivem, erzählendem und kooperativen Charakter auf den Markt schafft. Zusammen eine gewissermaßen einzigartige Aufgabe zu lösen ist ein Spielerlebnis, das nach meiner Erfahrung eine starke, gemeinsame Erinnerung schafft. Es scheint, als hätten TIME Stories und Pandemic Legacy hier wirklich eine Tür aufgestoßen. Denn auch das muss erwähnt sein, auch EXIT kann man nur ein einziges Mal spielen und danach nicht einmal weitergeben, denn auch hier wird Material zerstört. Bei einem angepeilten Preis von ca. 10-13 Euro wird das aber verschmerzbar sein, vor allem wenn man es mit den fürstlichen Preisen eines Live Spiels vergleicht.

Drei Rätselmodule stellt Kosmos in Essen vor, zudem wird es eine vom Umfang her abgespeckte Probeversion von EXIT geben, die dem Zeitdruck auf der Messe gerecht wird. Besonders glückliche Spieler können sich sogar für 30 Minuten in einen von Kosmos eingerichteten Live-Escape Raum begeben. Wie das geht, steht unter http://exit-das-spiel.de

Fazit: Wird auf jeden Fall mitgenommen. Ob’s taugt, berichten wir dann im Oktober.

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6 Gedanken zu “EXIT – Das Spiel (Essen Vorschau 2)

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