Escape the Room und EXIT (Essen Vorschau 5)

Vor einigen Wochen hatten wir bereits per Vorschau über die Rätselspielreihe EXIT berichtet, damals mangels konkreter Erfahrungen noch etwas substanzarm. Den Spekulationen setzt Stefan heute ein Ende und legt mit „Escape the Room“/ThinkFun und der Messe-Promo-Ausgabe von EXIT / Kosmos Fakten auf den Tisch. Wie üblich, widmen wir uns dem längeren Titel zuerst.

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Das Geheimnis der Sternwarte“ – so lautet der Untertitel der vor uns liegenden Ausgabe von „Escape the Room“. Die Box ist schnell geöffnet und die knappen Regeln ebenso zügig studiert. Dazu gibt es eine recht griffige Rahmenhandlung: Als Ermittler sollen wir in einer alten Sternwarte nach dem Rechten sehen, weil der Betreiber, ein Astronom, seit geraumer Zeit vermisst wird. Dort angekommen geraten wir in einen Raum, dessen Tür sich unvermittelt hinter uns schließt. Die Aufgabe: aus dem Raum entkommen und dabei herausfinden, was in der Sternwarte eigentlich vor sich geht.

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Vor uns liegen fünf geschlossene Umschläge, die auf der Vorderseite verschiedene Raumelemente zeigen, dazu eine Dekodierscheibe, die aus vier gegeneinander verschiebbaren Ringen besteht, auf denen allerlei kryptische Symbole abgebildet sind. Die Lösungen der Rätsel leiten uns an, welche Symbole übereinander zu schieben sind. Wenn wir dies korrekt durchführen, werden durch Gucklöcher in den Scheiben weitere Symbole sichtbar, die unseren Erfolg anzeigen.

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Dabei werden wir durch Erzählkärtchen durch die Story geführt: Ein erstes solches Kärtchen wird zu Beginn präsentiert und vorgelesen. Es gibt uns Hinweise, an welcher Stelle uns das erste Rätsel erwartet und wie es in etwa zu lösen ist. Erfolgreiche Lösungsversuche erlauben uns, einen neuen Umschlag zu öffnen, in dem sich neues Material und ein weiteres Erzählkärtchen befindet. Dabei bleibt es nicht bei den fünf zu Beginn sichtbaren Umschlägen, denn in diesen befinden sich weitere, kleiner Umschläge, die ihrerseits erst freigerätselt sein wollen. Dabei wird nicht alles freigeschaltete Material sofort verwendet, sondern ist z.T. erst bei künftigen Schritten relevant.

Wie üblich bei Spielen dieser Art soll an dieser Stelle nicht gespoilert werden, aber so viel darf verraten werden: die präsentierten Rätsel sind durchaus abwechslungsreich und kreativ. Wir puzzeln, rechnen, suchen in Wimmelbildern, kombinieren verteilte Hinweise oder basteln sogar an mechanischen Elementen herum. Nicht schlecht. Die Story ist dünn, aber vorhanden (auch wenn Matthias das Ende der Geschichte schon nach 3 Minuten korrekt vorhersagt). Ein Zeitbudget von 90 Minuten hat uns ThinkFun eingeräumt, aber Profis wie wir sind, haben wir das aus neun Einzelaufgaben bestehende Spiel schon nach knapp 50 Minute gelöst. Da kommt es uns gerade recht, dass am Ende noch ein Bonusrätsel in Form einer besonders harten Nuss wartet und bei dem wir uns dann doch etwas schwerer tun (weitere ~20 Minuten).

Hilfestellungen im Spiel selbst gibt es übrigens nicht, stattdessen verweist die Regel auf eine Webseite, wo uns im Falle von ernsthaften Denkblockaden weitergeholfen werden soll. Wohl dem, der auch beim Spieleabend online ist.

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Alles in allen haben wir in unserer Fünferbesetzung für die ca. 20€ Spielpreis etwas mehr als eine Stunde Rätselspaß. Nun ist unsere Gruppe mehrheitlich mit nerdig-analytischen Ingenieursfiguren besetzt und vermutlich würden etwas heterogenere Gruppen vielleicht ein halbes Stündchen länger brauchen. Trotzdem drängt sich die Frage auf: passt der Preis? „Escape the Room“ ist das mittlerweile dritte „Einwegspiel“, dem wir uns widmen, von daher bietet ein Preis-/Leistungsvergleich an:

Escape the Room: 20 € / 1.5h
⇒ 13.50€ / Stunde

TIME Stories (je Modul): 30 € / 4.5h
⇒ 6.50€ / Stunde

Pandemic Legacy: 65 € / 25h
⇒ 2.60€ / Stunde

Ob das relevant ist, mag jeder selbst entscheiden und man soll ja auch kein Krämer sein. Gleichwohl sei festgestellt, das das Spielgefühl bei „Escape the Room“ deutlich eindimensionaler ist als bei TIME Stories, wo wir neben den Rätseln noch opulente Grafik, eine ausgefeilte Story und ein weniger lineares Vorgehen haben.


Ein Escape-Spiel ist geschafft. Nun das zweite. Vor uns liegt nun die Promoausgabe von EXIT, die eine abgespeckte Version des Vollspiels ist und in Essen ausprobiert werden kann. Über EXIT hatten wir schon vor ein paar Wochen berichtet, die Details zu dessen Konzept können hier aufgefrischt werden.

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Sofort fällt auf, dass EXIT wesentlich schlanker aufgebaut ist als „Escape the Room“. Während in letzterem auch gebastelt und gepuzzelt wurde, sehen wir hier (fast) nur Karten vor uns. Die Dekodierscheibe von EXIT ist der von Escape the Room ähnlich: auch hier verschieben wir Ringe gegeneinander und schauen durch ein Guckfenster.

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Dort sehen wir dann eine Zahl, die uns angibt, welche Lösungskarte zu konsultieren ist. Cool ist dabei, dass wir niemals direkt zum nächsten Rätsel geleitet werden, sondern immer erst über einen Zwischenschritt beweisen müssen, dass wir das zu der Lösungskarte passende Rätsel gelöst haben. Das macht Abkürzungen oder Zufallstreffer unmöglich.

Auch die Hilfekarten sind gelungen, die uns in Härtefällen in drei Stufen zur (Teil)Lösung bringen, ein Konzept, was mir persönlich besser gefällt, als der Verweis auf irgendeine Webseite

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Der Spielrythmus bei EXIT ist dem von Escape the Room recht ähnlich: wir decken Material auf und müssen zunächst herausfinden, was die Autoren überhaupt von uns wollen. Manches ist dabei sofort, anderes erst später von Bedeutung. Dann wird gemeinschaftlich kombiniert, die Lösung an der Scheibe eingestellt, geprüft und – bei Erfolg – neues Material aufgedeckt. Da keine Umschläge o.ä. aufgemacht werden müssen, ist der Spielablauf bei EXIT unkomplizierter, aber auch weniger spektakulär.

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Die Demoversion von EXIT ist – soviel darf verraten werden – dann doch recht einfach. Klar: der hektische Messebetrieb erlaubt einfach keine komplexen Aufgabenstellungen. Für die fünf Rätselschritte brauchen wir kaum mehr als eine Viertelstunde und fühlen uns dabei nur mäßig gefordert. Aber das kann man einem Demospiel nun wirklich nicht negativ anlasten. Storymäßig geschieht allerdings noch weniger als bei Escape the Room. Außer einen kurzangebundenen Einleitung passiert hier rein gar nichts.

Alles in allem hat uns auch EXIT in seiner reduzierten Version gut gefallen, auch wenn es viel zu einfach war. Von den Vollversionen erhoffen und erwarten wir dann dickere Brocken. Insgesamt: Bleibt auf der Kaufliste. Ob sich dann eine Langzeitfaszination einstellt wie bei TIME Stories, bleibt aber nach wie vor abzuwarten.

Ein Wort noch zur Spieleranzahl: Escape the Room ist mit maximal 8, EXIT mit 6 Spielern angegeben. Das halte ich für zumindest gewagt. Natürlich kann man kooperative Ratespiele in fast jeder Besetzung spielen, aber es muss dann auch sichergestellt sein, dass alle Spieler gleichermaßen Zugriff aufs Material haben. In unserer Fünferbesetzung mit hohem Brillenträgeranteil war das nicht immer der Fall: Wenn zwei Spieler sich am einen Ende des Tisches ein Teil unter den Nagel reißen, ist der Spieler am anderen Ende faktisch ausgeschlossen. Ich persönlich würde beide Spiele daher mit maximal 4 Leuten spielen.

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4 Gedanken zu “Escape the Room und EXIT (Essen Vorschau 5)

  1. Bei „Escape – The Room“ kann man nach einer Anleitung im Internet das ganze Spiel wieder in den Ausgangszustand bringen. Somit kann eine andere Runde das Spiel erneut spielen. Bei einem Spieletreffen haben dann 3 Runden nacheinander versucht zu entkommen. Dann lohnt sich die Anschaffung doch. Bei „Exit“ soll man es nur einmal spielen können, weil das Material dabei zerstört werden soll. Dafür sind die „Exit“-Spiele günstiger.

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