Mea Culpa

Trigger Warnung: Der folgende Text ist unsachlich und von persönlichem Zorn geleitet. Weiterlesen auf eigene Gefahr.

Es gibt viele Spielmechanismen wie zum Beispiel:

  • Rollenwahl
  • An- und Verkauf von Waren
  • Set-Collection
  • Verdecktes Ziehen
  • Raten
  • Verdecktes Bieten
  • Siegpunkte als Währung
  • Mehrheitenwertungen
  • Verdecktes Sammeln
  • Nimm dies!
  • Bauen

Schön, wenn ein Spiel sich gut zusammenpassende Mechanismen nimmt und zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk zusammensetzt. Weniger schön, wenn sich ein Spiel ein Dutzend Mechanismen greift und zu einem regeltechnisch überladenden, spielerisch aber banalem Ganzen verrührt.

zoch-mea-culpa

Mea Culpa von Zoch fällt leider in letztgenannte Kategorie, denn es ist ein wild zusammengewürfeltes Sammelsurium aller(!) oben aufgeführten Teilmechanismen. Diese zusammenzufassen wäre für den Schreiber ebenso aufwändig wie für die Leser ermüdend, so dass ich mich nur das Allernotwendigste beschränken muss.

meaculpa

Mea Culpa ist ein Spiel, bei dem wir als reuige Sünder bunte Ablassbriefe sammeln, um dafür zum Spielende Siegpunkte zu bekommen. Auf einem kunterbunten Spielplan gibt es verschiedene direkte und indirekte Arten an die begehrten Briefe zu kommen wie z.B. direkter Erwerb, Mehrheitenwertung oder Diebstahl. Auf dem Weg dahin wird uns Spielern ein Zoo an Werkzeugen in die Hand gegeben, mit denen wir dies erreichen können.

Wir sind wahlweise, Papst, Kaiser, Händler oder armer Sünder und als solche handeln wir mit Waren, besuchen ein Bordell(sic!), spenden für Kirchenbau oder vergreifen uns am Eigentum der anderen. Rollenwahl und Aktionen werden dabei zumeist in Siegpunkten bezahlt, so dass es im Spiel zunächst erstmal rückwärts geht, bevor wir in einer großen Endwertung dann (hoffentlich) in den positiven Bereich springen. Neben den konstruktiven Elementen bei denen wir das eigene Konto hochtreiben, gibt es auch destruktive Momente bei denen wir die Punkte der Gegner kalt lächelnd ins Minus ziehen.

4 bunte Ablassbriefe wurden schon gesammelt. In der Streichholzschachtel sammeln wir geheim unsere Ressourcen
4 bunte Ablassbriefe wurden schon gesammelt.
In der Streichholzschachtel sammeln wir geheim unsere Ressourcen

Schon der Anfang der Proberunde verläuft zäh. Obwohl unser routinierter Cheferklärer das Spiel schon mehrfach auf dem Tisch hatte, vergehen satte 20 Minuten bis wir spielbereit sind (in der Zeit haben wir schon erheblich komplexere Titel wie Scythe oder Mare Nostrum erklärt). Das Spiel selbst ist dann aber in enttäuschend ereignislos. Es wird ein bisschen gehandelt, ein bisschen geblufft, ein bisschen eingesetzt, ein bisschen hier und da verschoben und die Rollen sind trotz einiger Spezalfähigkeiten weitestgehend austauschbar. Leider hat man keinem Zeitpunkt das Gefühl, einem Handlungs- oder Spannungbogen zu folgen.

Bordell/Freudenhaus/Puff .. you name it
Bordell/Freudenhaus/Puff .. you name it

Nach nicht ganz einer Stunde ist das Spiel vorbei. Jemand hat gewonnen. Müde Gestalten im Neonlicht. Was sollte das jetzt? Die anderhalb Stunden Lebenszeit hätte ich gerne wieder.

Mea Culpa ist ein wirklich schlechtes Spiel. Nicht, weil es mechanisch kaputt ist, sondern weil es ein total uninspirierter, zusammelgewürfelter Verhau aus Einzeilteilen ist. Umfang und Kleinteiligkeit der Regel stehen in bizarrem Kontrast zur Nichtigkeit des Spielgeschehens.  Hier ist ein Koch durch den Vorratsraum gestolpert, hat wahllos Büchsen aus dem Regal gegriffen und das ganze dann 3 Stunden zu einem undefinierbarem Eintopf zusammengerüht. Ohne Salz und Pfeffer.

Fazit: Das bis dato schlechteste Spiel der Mittwochsrunde 2016. Finger weg!

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Ein Gedanke zu “Mea Culpa

  1. Haha 😀 Guter Bericht! Bei uns im Spielekreis wurde das Spiel auch gespielt, aber seltsamerweise sogar zweimal hintereinander. Denen scheint es gefallen zu haben 😉 Ich kann hingegen eure Meinung teilen. Im Grunde wie bei Hoftheater: Schönes Design rettet kein Spiel

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