Im Wandel der Zeiten – Das Kartenspiel

Im Wandel der Zeiten“ … das kommt uns bekannt vor. Da gibt’s doch diesen drei-ein-halb-Stunden-Klopper für Hartgesottene. Und dann kamen etwas später diese flotten Würfelspiele, die man in 30 Minuten runterzocken konnte. Und wir erinnern uns: das eine hatte mit dem anderen (abgesehen vom Thema) überhaupt nichts zu tun.

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Aber wenn man schon eine halbwegs bekannte Marke hat, dann bietet es sich an, diese weiter auszubauen. Mit „Im Wandel der Zeiten – das Kartenspiel“ liegt nun der vierte Titel unter dieser Flagge auf dem Tisch. Und wieder geht es um das Thema „Aufbau einer Zivilisation“.

In der Mitte des Tisches präsentiert sich eine beeindruckende, pyramidenförmige Auslage von gut zwei Dutzend Karten, auf denen wir heitere zivilisatorischen Errungenschaften wie Panzer, Atom U-Boote, Börsenwesen oder Blitzkrieg finden, flankiert von punkteträchtigen Weltwunderkarten.  All diese in möglichst großer, und wertvoller Zahl zu ergattern ist unser Streben. Wir starten wie üblich mit einer übersichtlichen Startausstattung von fünf Basiskarten.

Kartenauslage: Das können wir kaufen
Kartenauslage: Das können wir kaufen

Alle Karten sind multifunktional:  die Vorderseite zeigt (im weitesten Sinne) eine Technologie, die uns irgendeiner Aktion liefert, auf der Rückseite ist ein Rohstoff zu sehen. Wir ahnen es: wir brauchen Rohstoffe, um neue Karten aus der Mitte kaufen zu können.

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Ein Spielzug ist geradlinig: von der Hand spiele ich eine Karte als Rohstoff aus und eine zweite als Aktion. Liegen genug Rohstoffe von mir aus, kann ich eine Karte aus der Mitte kaufen und drehe die dafür eingesetzten Rohstoffe ihre Vorderseite, als Zeichen dafür dass sie benutzt wurden. Ist meine Kartenhand erschöpft, nehme ich alle offen liegenden Karten aus meiner Auslage zurück, so dass die Karten ständig zwischen Hand und Auslage zirkulieren.

Höherwertige Karten haben für mich zwei Vorteile: zum einen bringen sie Siegpunkte, zum anderen ist dies der einzige Weg, höherwertige Rohstoffe in meiner Hand zu bekommen. Denn mit den fünf Basisrohstoffen allein, lassen sich die besten Karten in der Pyramide nicht erwerben.

Ein Eisen, ein Öl und ein Joker lassen uns einen Panzer kaufen
Ein Eisen, ein Öl und eine Erde(=Joker) lassen uns einen Panzer kaufen

Die Aktionen auf den Vorderseiten lassen sich grob in drei Kategorien aufteilen: friedliche Zivilaktionen, die im wesentlichen Ressourcen oder Siegpunkte bringen, aggressive Angriffskarten, mit denen ich den lieben Mitspielern auf die Pelle rücken kann und blauer Taktikkarten, die meine Angriffe unterstützen, oder mir helfen, mich gegen die Attacken der Mitspieler zu wehren.

Aggressivität ist in diesem Spiel ein deutlich sichtbares Element. Friedliches nebeneinander her spielen ist selten, stattdessen geht es ständig und deutlich zur Sache. Die Auswirkungen der Angriffe sind für Besiegte durchaus unangenehm: man verliert Rohstoffe oder im schlimmsten Fall sogar kostbare Wunderkarten.

Militärisches Handwerkszeug
Militärisches Handwerkszeug

Der Spielmechanismus ist eingängig: Ressource legen, Aktion legen, optional kaufen – fertig. Schwieriger ist das Bewerten der neuen Karten. Welche Funktionen spielen gut zusammen? Welche brauche ich zwingend? Eins zeigt sich schnell: Militär ist wichtig, vielleicht sogar sehr wichtig. Denn wer gar keines hat, ist Angriffen schutzlos ausgeliefert und  muss hilflos zusehen, wie Wunder geklaut und Rohstoffe entwertet werden. Und so entfaltet sich in der ersten Partie auch bald ein amtlicher Rüstungswettstreit. Interessant ist dabei, dass meine militärische Stärke nur aus jenen Karten besteht, die gerade auf dem Tisch liegen, Handkarten sind tendenziell nutzlos. So kann es passieren, dass ich trotz formidabler Armeeausstattung einen auf die Mütze bekomme, weil meine Soldaten gerade auf Heimaturlaub sind.  Aber auch das ist nur eine Momentaufnahme, denn sobald ich meine Truppen einige Züge später auf dem Tisch habe, kann ich mich freundlich beim Nachbarn revanchieren. Rache ist süß.

Weltwunder bringen fette Punkte
Weltwunder bringen fette Punkte

Und so geht es in Partie 1 hin und her. Für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr, denn manche Wunderkarten wechseln drei, vier Mal den Besitzer.  Als Schluss ist (das letzte Wunder wurde gebaut), fühlt sich der Spielsieg ein wenig beliebig an, denn wäre es noch eine Runde weiter gegangen, hätte ein teureres Wunder vielleicht nochmal den Besitzer gewechselt und so jemand anders auf den Thron gehoben.

Für Partie 2 wird das komplette Kartendeck ausgetauscht. Der zweite Satz biete neue Funktionen, wie der Erwerb von Siegpunkten während des Spiels, semi-kooperative Elemente und Militärkarten mit reduzierter Aggressivität. Beide Durchgänge dauern ca. 60 Minuten.

Verschiedenen Kartentypen
Verschiedenen Kartentypen

Am Ende fällt das Urteil zwiespältig aus. Mir persönlich hat „Im Wandel der Zeiten“ gut gefallen. Das geschickte Kombinieren von Ressourcen, um immer höherwertigere Karten zu kaufen, motiviert und die Militäraktionen bringen genug Unruhe rein, um isoliertes vor-sich-hin-Optimieren zu verhindern. Bei den anderen ist, die Begeisterung geringer. Stefan hadert in Partie 2 damit, dass man in diesem Spiel durchaus deutlich ins Hintertreffen kommen kann, wenn man den Kauf essentieller Rohstofftypen verpasst. Auch Matthias und Phil sind weniger begeistert. Phil kritisiert, dass durch die Angriffe zu häufig die eigenen Pläne durchkreuzt werden und in der Tat muss man feststellen, dass die agressiven Karten zumindest in Satz 1 recht viel Chaos ins Spiel bringen. Aber vielleicht haben wir auch einfach noch nicht planvoll genug gespielt.

Fazit: Ich persönlich würde “ Im Wandel der Zeiten“ gerne noch mehrfach spielen, um auszuloten, wie gut es sich steuern lässt. Von daher gibt als vorläufige Bewertung von mir ein „hat mich neugierig auf mehr gemacht.“

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Im Wandel der Zeiten – Das Kartenspiel

  1. Ich komme bisher zum ziemlich ähnlichen Schluss – und hab mich daher auch noch gegen einen Artikel gewehrt =)

    Das Spiel bietet mit seinem Ressourcen/Aktionen-System sehr clevere Entscheidungsmöglichkeiten und sehr viel Spannung mit sich – find es auch als Deckbuilder ziemlich spannend und interessant.

    Bin mir aber auch noch nicht ganz sicher, wie viel sich tatsächlich steuern lässt – die ersten Partien sind wie erwähnt, irgendwie etwas zufällig. Werd wohl auch noch etwas Zeit investieren müssen.

    Gefällt 1 Person

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