UNLOCK

Vorwarnung: In diesem Review werden vier Karten aus dem Tutorial zu UNLOCK gezeigt. Das Tutorial ist ca. 5-10 Minuten lang und dient dazu, die Mechanismen von UNLOCK zu erläutern. Die Abbildung der Karten greift dem voraus. Wer dies als Spoiler ansieht, möge jetzt nicht weiterlesen. Aus den eigentlichen Szenarien wird nichts verraten.


Rätsel gefällig? Ja? Ok, hier ist eines:
Welche Zahlen und einzelnen Buchstaben sind in diesen Szenarien zu sehen?

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(Lösungen weiter unten)

Und noch ein Escape/EXIT/Knobelspiel. Mit UNLOCK liegt nun das vierte Spiel der letzten 12 Monate vor, bei dem wir uns kooperativ durch eine Serie von Rätsel knobeln.

UNLOCK ist, ähnlich wie EXIT, ein auf Karten basierendes Rätselspiel. Drei Szenarien bietet UNLOCK, jedes aus einen Deck von ca. 60 Karten bestehend.  Als zusätzliches Element kommt eine App dazu, die für das Spiel zwingend benötigt wird.

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In der App wählen wir ein Szenario, nehmen den dazu passenden Kartensatz und starten das Spiel. Ab jetzt läuft ein Timer erbarmungslos herunter, der uns 60 Minuten für die Lösung des Rätsels gibt.

Motor des Spiel sind die Spielkarten: Jedes Szenario beginnt mit einer Startkarte, auf der ein Raum abgebildet ist

Auf der Raumkarte sind typischerweise Zahlen und Buchstaben abgebildet. Diese weisen uns an, weitere Karten aus dem Deck zu suchen und aufzudecken. Sobald wir dies gemacht haben, beginnt das eigentliche Rätselspiel. Um dort voran zu kommen, müssen wir weitere Karten freischalten, bzw. ins Spiel bringen. Dies kann auf drei Arten geschehen:

1. Neue Karten, wenn uns die App dazu auffordert

An diversen Stellen stolpern wir über Coderätsel, deren Ergebnis stets eine 4-stellige Ziffernfolge ist. Diese Folge können wir in die App eintippen. War der Code richtig, wird uns die App sagen, wie es weiter geht, was typischerweise darin besteht, neue Karten ins Spiel zu bringen. Aber aufgepasst: War der Code falsch, gibt es eine Zeitstrafe von 3 Minuten.

2. Neue Karten durch Kombination

Viele Karten zeigen Puzzleteile. Immer zwei solcher Karten lassen sich kombinieren, was dann eine Karte freischaltet, die die Summer der beiden kombinierten Karten entspricht:

Aber auch hier ist Vorsicht geboten, denn manche Kombinationen führen zu Karten, die einen Fehlschlag anzeigen und erneut Strafzeit kosten – diesmal sogar 5 Minuten.

3. Neue Karten durch Abbildung ihrer Zahl

Sobald eine Kartennummer (oder -buchstabe) irgendwo auf einer bereits offen liegenden Karte abgebildet ist, dürfen wir die entsprechende Karte nehmen und aufdecken. Der Knackpunkt ist hier, dass diese nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Manche Zahlen springen ins Auge (siehe Bürokarte oben); andere sind gut versteckt (siehe Rätsel zu Beginn).


Wie spielt sich das Ganze nun? Zunächst einmal wie alle anderen Exit-Spiele auch: Man knobelt gemeinschaftlich, reicht Karten hin und her. Man mutmaßt über die Bedeutung der Abbildungen, tüftelt Codes aus oder rauft sich die Haare, wenn’s mal nicht vorangeht. Der Mechanismus, Karten zu kombinieren, fügt dem Spiel eine Element hinzu, das angenehm weniger abstrakt ist: Man muss wirklich auf die Gegenstände schauen und sich fragen, ob man sie irgendwie zusammenbringen kann. Passen zwei Gegenstände von der Funkion her zusammen? Oder von der Form her? Das motiviert und macht Spaß. Weniger spektakulär ist die Codeeingabe in der App. Diese ersetzt die bei EXIT und Escape the Room benutzte Codescheibe, was vom Handling etwas einfacher ist. Ich persönlich aber finde das Herumfummeln an der Codescheibe als atmosphärisch und gut zum Spielprinzip passend.

Der Schwierigkeitsgrad ist dabei hoch. 60 Minuten sind nicht viel und jeder Patzer wird mit 3-5 Minuten Strafzeit belegt. Wir jedenfalls konnten keines der drei Szenarien in der angesetzten Zeit lösen, zumeist lagen wir locker 30 Minuten drüber.

Die Zeit läuft ...
Die Zeit läuft …

Aber wie gut ist das Ganze in Summe? Um es direkt zu sagen: Für meinen Geschmack leider nur mäßig. Der Grund liegt in der m.E. nicht gut gelungenen Schwierigkeitsbalance der einzelnen Rätselschritte. Die Kombinationsräsel sind zumeist schlichweg offensichtlich: Schlüssel + Truhe, Hammer + Nagel, Appel + Ei – wenn zwei Gegenstände zusammenpassen, sieht man das spätestens auf den zweiten Blick. Die analytischen Rätsel (Zählen, Ordnen, Muster erkennen) sind kniffliger und haben einen angemessenen Schwierigkeitsgrad.

Grenzwertig sind aber die Rätsel vom Typ „Wimmelbild„, bei denen man einfach nur sehr, sehr genau hinschauen muss. Immer wieder kommt es vor, dass sich irgendwo auf den Karten klein und kontrastschwach irgendwelche Zahlen verbergen, über die neue Karten freigeschaltet werden. Das ist zwar nett ausgedacht, weil es an die Point-and-Click-Spiele auf PC und Tablet erinnert, funktioniert in der Praxis aber nur begrenzt. Zum einen braucht es dazu gute Beleuchtung und zum anderen eine Sehschärfe von 100% (und das meine ich ernst). Meines Erachtens ist UNLOCK nur spielbar, wenn man eine Lupe und ein sehr helles, sehr weißes Licht (LED Taschenlampe) zur Hand hat. Ohne dies sind manche Dinge schlicht und ergreifend nicht wahrnehmbar.  Doch selbst bei besten Voraussetzungen übersieht man manche Details und zwar schon allein, weil man zumeist gar nicht weiss, wonach man auf welchen Karten suchen muss. Und dann hängt das Spiel, weil eine entscheidende Karte nicht ins Spiel kommt.

Und damit kommen wir zur zweiten Schwäche von UNLOCK: Dem Hilfesystem. Dieses ist in die App eingebaut und lässt uns zu jeder Karte einen Hilfetext aufrufen. Dumm nur, dass es zu jeder Karte nur genau eine Hilfe gibt. Wenn wir nun trotz des Tipps auf dem Schlauch stehen, dann gibt es faktisch keine Möglichkeit, mit dem Spiel weiterzukommen und wir sind gezwungen, an dem Rätselschritt so lange rumzuknobeln, bis wir endlich die Lösung gefunden haben. Das hat in einem unserer Szenarien dazu geführt, dass wir für 58 von 60 Karten des Szenarios gut 40 Minuten gebraucht haben und für die beiden anderen Karten weitere 30 Minuten, einfach, weil wir ein kleines aber wichtiges Detail übersehen haben.  In solchen Phasen macht das Spiel dann überhaupt keinen Spaß mehr sondern führt zu einer gehörigen Packung Frust.  Es geht nicht voran, man dreht und wendet immer wieder immer die gleichen Karten und hofft, dass irgendwer noch einen Geistesblitz bekommt.

Wäre UNLOCK ein Computerspiel würde man sagen: Das Spiel kann abstürzen, sprich in einen Zustand geraten, wo es kaum noch ordentlich spielbar ist. In den drei Szenarien ist dies zwei Mal passiert und zwar einmal so, dass wir fast eine halbe Stunde auf der Stelle getreten sind und einmal so, dass wir am Ende in noch nicht umgedrehten Karten reinschauen mussten, um überhaupt weiterzukommen.  Lästermäuler mögen jetzt sagen: „Ach, ihr seid doch nur zu blöd oder zu blind“. Und vielleicht sind wir das auch. Ich persönlich finde es aber bei Rätselspielen inakzeptabel, wenn das Spiel schlicht und ergreifend zum Stillstand kommt – insbesondere, wenn nebenher ein Timer tickert, der über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Fazit: UNLOCK macht vieles richtig und hätte an sich eine Schulnote zwischen „gut“ und „befriedigend“ verdient. Die Sollbruchstellen in den Szenarien aber, kombiniert mit dem Timer und dem mäßigem Hilfesystem sind m.E. ein schwerer Schnitzer und machen das Spiel aus meiner Sicht nur begrenzt empfehlenswert. „Führt zur Abwertung“ würde die Stiftung Warentest schreiben und für UNLOCK nur ein „ausreichend“ vergeben.

PS: Hier die Auflösung zu dem Rätsel von oben:

 

 

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