Im Namen Odins

Ein Fest der Nordseeräuber im Namen Odins … oder so ähnlich. Woher kommen eigentlich immer diese Themenwellen? Nordische Helden, Marsmissionen, Raumeskapaden … voll die Verwechslungsgefahr.

Heute auf dem Tisch: Im Namen Odins von Krzystof Zieba, ein Titel, den man im weitesten Sinne als Kartenmanagementspiel bezeichnen kann.

Wir führen – Überraschung – Wikingerbanden auf Einkaufstour. Häfen in nah und fern laden zum Besuch ein, um dort siegpunktträchtige Beute einzusacken. Und was braucht eine Wikingerhorde für einen amtlichen Überfall? Dreierlei:

  • Ein schickes Langboot

    Bootswerft
  • Einen durchsetzungfähigen Chef

    Hägars Kollegen
  • Und natürlich eine schlagkräftige Crew bestehend aus Wikingern in drei Farben.

    Drunk Mini Or Not

In diesen Kategorien gilt es, sich auszustatten, bevor man beim Nachbarn vorbeischaut. Zusätzlich können wir in der Heimat Dorfausbauten errichten, die uns im Spiel diverse Vorteile wie z.B. höhere Schiffsreichweite oder reduzierte Baukosten gewähren

Dorfausbauten

Motor des Spiels sind dabei Aktionskarten, mit denen wir unser Zubehör erwerben. Sechs davon haben wir standardmäßig auf der Hand und wenn ich dran bin, kann ich beliebig viele verjuxen, um damit ein Schiff zu bauen, einen Chef zu ernennen, meine Schlägertrupps anzuheuern oder mein Dorf zu erweitern. Da ich am Ende meiner Runde stets auf 6 Karten auffüllen darf, ist Sparen in aller Regel keine Tugend.

Wähne ich mich stark genug, kann ich noch im gleichen Zug einen Raubzug starten. Drei Entfernungsklassen (nah, mittel, weit) stehen zur Verfügung und jede Stadt gibt an, wie viele Wikinger in den drei Farben ich für einen gelungenen Überfall brauche.  Wikinger können dabei als Mannschaftsfiguren und/oder durch Kampfboni von Anführer, Boot oder Dorfausbauten beigesteuert werden. Habe ich genug Schlagkraft, ist die Stadt geplündert und ich bekomme Siegpunkte.

Ziele unsere Raubzüge

Doch halt – nicht so schnell: Bevor die Beute nach Hause geschippert wird, können mir die lieben Mitspieler noch in die Suppe spucken. Je Kontrahent wird noch einen weitere Karte in den Ring geworfen, die ich zusätzlich mit Handkarten kontern muss. Mein Raubzug kann so zwar nicht verhindert werden, wohl aber in seinem Ertrag gemindert: +1 bis -2 Siegpunkte kann es am Ende heißen – abhängig davon wie gut ich auf die Karten meiner Mitspieler reagieren kann.

Aber egal wie gut ich abschneide: jede Kaperfahrt ist verlustreich: eingesetzte Wikinger sind verloren, das Langboot nimmt Schaden, den ich zuhause erst reparieren muss und der Chef ist so gestresst, dass er zurücktritt und abgelegt werden muss. Und so dreht sich das Karussell weiter: Neuer Chef, neues Schiff, neue Leute, neues Angriffsziel

Variabilität kommt nun durch unsere Anführer und unsere Dorfausbauten ins Spiel denn diese bringen Sonderaktionen und -eigenschaften mit: Da dürfen Zielkarten rotiert werden, Wikinger recycled, Schiffe preiswerter repariert und etliches mehr. Der Schlüssel zu Sieg liegt im geschickten Management dieser Sonderfähigkeiten.  Allerdings liegt hier auch eine gewisse Gefahr von Unwucht, denn manche Erweiterungen sind insbesondere zu Beginn des Spiels deutlich stärker als andere. So gibt es z.B. einen Dorfausbau, der unsere Kartenhand von 6 auf 7 vergrößert – Runde für Runde. Ein Bonus von fast 20% in Aktionskarten also, der sich über die gesamte Spieldauer deutlich auszahlt. Wohl dem, der früh an sowas heran kommt.

Das Spielgefühl ist insgesamt als „gefällig“ zu bezeichnen. Wir rüsten auf, stellen Boot & Crew zusammen und sacken dann die Punkte ein. Interaktion ist teilweise indirekt (das übliche „ich-schnappe-dir-eine-Karte-weg“), teilweise direkt bei den Beutezügen. Aber ein richtiges Kribbeln kommt dann doch nicht auf, denn letzendlich bleibt alles abstrakt. Man könnte statt der windschiefen Wikingerfiguren auch bunte Plättchen nehmen: es würde sich nicht viel ändern.

Und so bleibt nur das schon oft geschriebene Fazit: Kann man spielen. Tut nicht weh, macht sogar Spaß. Aber es fehlen Kick, Kribbel und Konfrontation um weitere Partien zu rechtfertigen. So bleibt „Im Namen Odins“ leider ein weiteres Spiele ohne echte Zielgruppe: Zu beliebig für Vielspieler, zu wenig pfiffig für Gelegenheitszocker.

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