Clans of Caledonia

Schotten mögen Schottland und Whisky. Ich auch. Schön, dass es jetzt ein Spiel gibt, in dem beides vorkommt.

Worum geht‘s?

Clans of Caledonia ist ein Wirtschaftsspiel, bei dem wir uns als schottische Clans in den Highlands ausbreiten. Zwischen den Hügeln lassen wir Schafe und Kühe grasen, bauen Weizen an und verfeinern all das zu Brot, Käse und Whisky. Die so gewonnenen Güter exportieren wir gewinnbringend auf’s Festland. Waren, Geld und Exporterlöse bringen uns begehrte Siegpunkte.

Wolle, Brot, Getreide, Whisky, Milch, Käse

Wie geht das?

Auf den ersten Blick ähnlt CoC dem beliebten Terra Mystica: reihum nehmen wir Produktionsgebäude von unseren privaten Spielertableaus, bezahlen diese mit Geld und stellen sie auf’s Brett. Gebaut wird wie üblich angrenzend an bestehende Gebäude, begrenzender Faktor sind unser Geld, die Anwesenheit der Nachbarn und die schottischen Flüsse und Seen („Lochs“). Gegen letzteres können wie Schifffahrt entwickeln, die es uns erlaubt, Gewässer zu überqueren.

Spielerbrett zu Beginn
Fortgeschrittenes Spielerbrett

Am Ende einer Runde produzieren unsere Gebäude Geld oder Waren.  Milch, Wolle und Getreide werden direkt produziert, Whisky, Brot und Käse werden aus Getreide bzw. Milch veredelt. Und ähnlich wie bei Terra Mystica gibt es hier eine kleine Zwischenwertung, bei der wir für diverse Dinge belohnt werden: Mal für Waren, mal für Gebäude, mal für Exporterfolge.

Rot hat Rinder, Blau hat Schafe, Weiß brennt Whisky

Alles was wir erwirtschaften, können wir über Exportaufträge lukrativ verkaufen, um so Siegpunkte, Geld oder andere Vorteile zu ergattern. Zudem gibt es einen Markt, auf dem wir unter schwankenden Preisen fehlende Waren einkaufen oder Überschüsse abstoßen können.

Der Markt: Milch ist billig, Whisky teuer

Wie bei vielen Wirtschaftsspielen ist Geld knapp und will klug investiert sein. Will ich erst mein Geldeinkommen ankurbeln? Oder direkt in die Warenproduktion einsteigen? Zumeist ist Spezialisierung gefragt, denn alle möglichen Warentypen abzudecken ist teuer. Besser ist es, genau zu beobachtem, welche Waren gefragt sind, was die lieben Mitspieler liefern und welche Marktlücken gerade offen sind.

Auch die Baupositionen wollen gut überlegt sein: Die verschiedenen Felder haben unterschiedliche Kosten. Benachbart zu den Kollegen zu bauen, schränkt mich zwar ein, erlaubt mir aber andererseits, bei diesen zu Discount-Preisen einzukaufen.  Hier braucht es also die richtige Mischung aus Distanz und Nähe.

Asymmetrischer Aufbau

Wir Spieler starten nicht mit identischen Voraussetzungen: Jeder Spieler bekommt eine eigenen Clan zugeteilt, der bestimmte Spezialfähigkeiten mitbringt: Der eine Clan hat Preisvorteile am Markt, ein anderer produziert besonders guten Whisky, ein dritter fühlt sich an den Rändern des Brettes besonders wohl.  Diese Unterschiede sind deutlich spürbar und geben jedem der Clans einen eigenen, taktischen Schwerpunkt, den man unbedingt beachten sollte wenn man vorne mitmischen will.

Clan Cunningham kann Milch teuer verkaufen

Fünf Durchgänge des Bauens, Produzierens und Lieferns fordert das Spiel und nach ca. 90 Minuten in voller Besetzung küren wir den Sieger mit einer Endabrechnung, in der alle exportierten und produzieren Waren einberechnet werden.

Wie fühlt sich das nun an?

Auch wenn die Ähnlichkeiten zu Terra Mystica nicht zu übersehen sind, ist das Spielerlebnis doch ein anderes. TM ist im Kern ein eisenhartes Entwicklungsspiel mit drei Währungen (Arbeiter, Geld, Macht), bei dem wir zudem ständig die sich ändernde Landschaft im Blick behalten müssen. In Clans of Caledonia gibt es nur eine Währung (Geld) und die Zwänge beim Bauen, Kaufen und Verkaufen sind erheblich geringer. Das macht CoC leichter zugänglich und weniger anfällig gegen Spielfehler. In unseren Runden mit unterschiedlichen Teilnehmern konnten auch Anfänger stets gut mithalten und solide Punktzahlen erzielen.

Obwohl die Komplexität nicht gering ist, vermittelt CoC ein angenehm positives, fast schon leichtes Spielgefühl. Belohnt wird ein präziser Blick auf die Marktsituation: Welche Waren erzielen welche Preise? Was wird derzeit für den Export benötigt? Was produzieren die anderen? Wo eröffnen sich preiswerte Baugrundstücke? Das macht Spaß ohne allzu sehr zu stressen und vor allem ohne die Gefahr, ins Abseits gespielt zu werden. Herumeiern, mal dies, mal das machen, wird – wie in vielen guten Spielen – allerdings gnadenlos bestraft.

Auffällig war auch, dass CoC kaum zu Analysestarre führt, sprich selbst mit eher sorgfältig nachdenkenden Mitspielern kam es nur selten zu größeren Wartezeiten, so dass der Spielfluss ein stets angenehmes Tempo hatte.  Positiv abgerundet wird das Ganze durch das knuffige Material, das in Denkpausen zu allerlei Spielereien einlädt („und jetzt ein Käsebrot mit Whisky!“)

Fazit

Nach mehr als 15 Partien, in Mehrspieler und solo kann ich sagen, dass mir CoC ganz hervorragend gefällt. Das (leicht) asymmetrische Spiel und das geschickte Hantieren mit Produktion und Preisen läuft einfach rund und macht jede Menge Spaß.  Besonders schön: CoC stemmt sich gegen den Zeitgeist, anspruchsvolle Spiele immer mehr zu verschrauben. Anstatt bei den Kernmechanismen noch eine Komplexitätschippe draufzulegen, wurde das Spiel (im Vergleich zu Titeln wie TM oder GWT)  schlanker gestaltet, was Spielfluss und -zugang verbessert. Von mir eine klare Empfehlung!

 

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