Pandemic Legacy – Season 2

[ Der folgender Bericht ist – natürlich – spoilerfrei. Die aufgeführten Bilder und Spielmechanismen sind allein der Einführungsrunde von Pandemic Legacy entnommen ]

Die Story

Season 2 spielt mehr als 70 Jahre nach dem Ende von Season 1. Die tödliche Seuche konnte nicht eingedämmt werden und raffte einen Großteil der Menschen dahin. Städte verfielen ins Chaos, Überlebende flüchteten auf schwimmende Inseln in den Ozeanen. Nach vielen Jahrzehnten normalisiert sich die Lage nur langsam. Die Seuche ist immer noch nicht besiegt, hat aber an Tödlichkeit verloren. Hauptaufgabe ist es jetzt, die sich langsam erholenden Städte mit Lebensmitteln und anderen Gütern zu versorgen, denn nur so kann ein erneutes Ausbrechen der Seuche verhindert werden.

Das Spiel

Vor uns eine beschnittene Weltkarte, auf der wir den Atlantik sowie wenige Städte wie London, Washington, Kairo oder Lagos sehen. Südamerika, große Teile von Europa und Afrika sowie Asien liegen im Dunkeln. Als Team starten wir von künstlichen Inseln im Ozean, um die kläglichen Städte auf dem Plan zu versorgen. Dies geschieht zum einen durch das Abliefern von Versorgungskisten, zum anderen durch das Bauen von Versorgungszentren.

Am Anfang war die Erde wüst und leer …

Kisten sind eine Art Lebensversicherung gegen die tödliche Seuche. Wie bei Pandemie gewöhnt, werden zwischen den Zügen Stadtkarten von einem Infektionsdeck gezogen. Allerdings führt dies nicht sofort zu einer Infektion, sondern zunächst nur zum Entfernen einer Kiste. Erst wenn diese aufgebraucht sind, schlägt die tödliche Seuche zu, dann allerdings gleich mit voller Wucht: 7 solcher Vorfälle können wir uns leisten, danach ist Sense, will heißen wir verlieren das Spiel.

Washington und New York sind noch versorgt. In Jacksonville gab es einen Seuchenausbruch.

Versorgungszentren sind Häuser die wir in Städten bauen müssen. Dazu müssen wir Sets von Karten gleicher Farbe sammeln (auch das kennen wir aus Pandemie) und in einer Stadt passender Farbe abgeben.

Die erste Partie läuft also recht ähnlich wie das orginale Pandemie: wir sammeln Karten möglichst farbrein, versuchen die Städte mit genug Kisten zu versorgen und bauen möglichst fix drei Versorgungszentren. Zwischen unseren Zügen wird unser Kistenvorrat mit steigendem Tempo wieder reduziert. So weit, so gut.

Washington hat’s getroffen

Aber natürlich bleibt es nicht bei diesen Belanglosigkeiten. Schnell wird klar: Auf uns warten größere Aufgaben: die Welt will entdeckt, neue Städte angeschlossen und versorgt werden. Unsere Spielercharaktere werden aufgewertet oder erhalten Handicaps in Form sogenannter Narben.

Wendy ist spezialisiert auf den Bau von Versorgungszentren

Vollkommen neu gegenüber Season 1 ist dabei der explorative Charakter: Wie seinerzeit Christoph Columbus entdecken wir die Welt Schritt für Schritt. Und wie die Pioniere des Wilden Westens schließen wir ebenso nach und nach neue Städte an unser bestehendes Stadtnetz an. Das ist enorm spannend und bietet uns erheblich mehr Freiheiten als in Season 1, denn jetzt können wir weite Teile des Spielplans selbst mitgestalten. Und natürlich ist nichts von Dauer: Städte wachsen, wenn wir uns gut um sie kümmern und veröden, wenn die Seuche zu oft einschlägt. Auch cool: In sehr vielen neu entdeckten Städten können wir suchen, was spieltechnisch bedeutet, ein verdecktes Feld auf der Stadtkarte freizurubbeln. Was sich dahinter verbirgt, kann hier natürlich nicht verraten werden.

Felder zum Freirubbeln

So entfaltet sich die Welt Partie für Partie vor unseren Augen. Und während das geschieht, wird die Geschichte der tödlichen Seuche, ihrer Anfänge und Konsequenzen weitererzählt. Und im gleichen Maße, wie sich uns dies alles erschließt, vergrößern sich auch unsere Optionen in Form neuer Regeln und neuem Material. Aber auch hier gilt: Keine der vielen, teilweise sehr coolen neuen Aktionsmöglichkeiten und Kisteninhalte werden hier ausgeplaudert.

Das Spielgefühl

Season 2 ist designtechnisch eine kluge Weiterentwicklung: die Autoren behalten einige Kernelemente aus Season 1, insbesondere die Bewegungsregeln, das Sammeln und Tauschen von Karten und den grundlegenden Infektionsmechansmus. Gleichzeitig werden eine Reihe neuer Dinge eingeführt, die das Spiel aufregend und neu wirken lassen. Ganz vorneweg natürlich, der sich dynamisch entwickelnde Spielplan, auf dem wir die Verbindungen zwischen den Städten und damit unsere Zugoptionen selbst steuern können.

Viel zu tun

Besonders fein ausgedacht aber ist die Änderung der Seuchenausbreitung: In Season 1 spielten wir reaktiv: Infektionswürfel kamen in Städte und wir mussten sie abräumen. Season 2 ist proaktiv: Wir legen Kisten als Vorbeugung gegen die Seuche ab, bevor diese ausbricht. Dies ergibt ein positiveres, aktiveres Spielgefühl, denn anstatt wie die Feuerwehr hinter Brandherden herzulaufen, können wir in einem gewissen Maße steuern, wo auf dem Brett die Party abgeht.

Season 1 von Pandemic Legacy war in unserer Spielgruppe ein durchschlagender Erfolg und ich hatte meine Zweifel, ob dies wiederholbar ist. Es ist. Und mehr als das: Season 2 ist wirklich noch besser. Das Erkunden des Brettes, die eigene Gestaltung der Welt, die vielschichtigere Story und ein Ende, das an Drama und Tragik kaum zu überbieten ist – das alles passt einfach von vorne bis hinten. Überhaupt die Hintergrundgeschichte: während die Story bei Charterstone nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk ist, sind hier in den Texten immer wieder handfeste Hinweise versteckt, wie sich das Spiel bald entwickeln könnte. Wer die Handlung aufmerksam verfolgt, kann ein ums andere Mal erahnen, was in künftigen Partien an der Tagesordnung sein könnte.

Zerstörtes Material gegen Ende der Kampagne

Pandemic Legacy 2 ist nicht weniger als ein großartiges Spieleerlebnis. Das gemeinsame Triumphieren, wenn ein über mehrere Partien zurechtgelegter Plan aufgeht, ist einfach unbezahlbar. Einziger Kritikpunkt ist vermutlich der Schwierigkeitsgrad, denn zumindest in unserer Gruppe waren einige Partien in der zweiten Hälfte der Kampagne zu schnell gewonnen. Erfahrenen Spielern sei ans Herz gelegt: Sollte euch das passieren, erwägt vielleicht, das Spiel etwas kniffliger zu machen, z.B. durch Reduzierung der verfügbaren Versorgungskisten.

Fazit

Klasse, klasse, klasse! Und schade, dass es vorbei ist. Ich kann es kaum erwarten, bis irgendwann Season 3 in den Regalen steht-

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