Noria

Warnung: Oberflächliche Polemik nach nur einer Partie. Die Aussagekraft dieses Beitrags ist zweifelhaft.

Soll ich dieses Spiel ausführlich beschreiben? Will ich das? Nein und nein. Darum nur die Kurzform.

In Noria drehen wir am Rad. Zentrales Gimmick dieses Expertenspiels sind Räder mit drei konzentrischen Scheiben: Außen, Mitte, Innen. Jeder Spieler hat eins. Die Scheiben sind gegeneinander drehbar. Auf den Scheibe liegen bunte Aktionsplättchen. Liegen diese auf den richtigen Positionen, können wir dadurch Aktionen auslösen: Material produzieren, Produktion verbessern, Material ausgeben und dafür (indirekt) Siegpunkte kassieren.  Und am wichtigsten: Wir können unsere Räder mit weiteren Aktionsplättchen aufmotzen, um mehr und bessere Aktionen zu bekommen.

Ein Rad. Grün, Rosa, Schwarz sind Produktionsaktionen. Grau Aufwertung. Braun Ausbau.

Das sieht cool und neu und aufregend aus. Das ist cool und neu und aufregend. Jedenfalls ein paar Züge lang. Der Spielrhythmus zu Beginn ist: Drei Aktionsplättchen aussuchen. Aktionen in beliebiger Reihenfolge ausführen. Zeugs kriegen, Zeugs ausgeben. Rad verbessern. Innere Scheibe weiterdrehen, mittlere Scheibe weiterdrehen, äußere Scheibe weiterdrehen. Nächster Spieler.

Nach einigen Runden haben alle ihre Räder kräftig ausgebaut. Der Spielrhythmus ändert sich zu: Schweigend grübeln. Ein Aktionsplättchen aussuchen. Grübeln. Zweites Plättchen aussuchen. Grübeln. Wahl revidieren. Fluchen. Grübeln. Neues zweites Plättchen aussuchen. Grübeln. Drittes aussuchen. Zeugs kriegen, Zeugs ausgeben. Auswahl bereuen. Innere Scheibe drehen, mittlere Scheibe drehen, äußere Scheibe drehen. Nächster Spieler.

Fehlt was? Ja – die Interaktion! Hey, da sitzen ja noch andere Leute am Tisch. Ist das eigentlich relevant was die machen? Kann sein. Kann nicht sein. Vielleicht. Ein bisschen. Aber im großen und ganzen wohl eher nicht.

Noria ist eines dieser Spiele, die vermutlich gut sind. Irgendwie. Die eine erstaunliche Tiefe haben, wenn man sich nur ordentlich hineinfuchst und wenn man die komplexe Dynamik aktueller und künftiger Aktionsmöglichkeiten verstanden hat und sie steuern kann. Ein Spiel, ohne Punktesalat, das sorgfältige Planung am Anfang mit fetten Punkten am Ende belohnt – ein Prinzip das ich eigentlich sehr mag.

Und es ist eines diese Spiele, bei denen ich auf diese Art Forschungstätigkeit ü-ber-haupt keine Lust habe. Denn diese eine erste Partie hat mir schon gereicht. Noria ist mir einfach viel zu technisch, viel zu seelenlos, viel zu nerdig. Klar, viele Expertenspiele sind eher für stille Gemüter. Aber muss es denn wirklich so solitär sein? So still? So grüblerisch? Und so thematisch entkoppelt? In diesem Spiel lassen mich nicht nur die Züge meiner Gegner kalt, nach einger Zeit ist mir sogar mein eigenes Agieren egal.

Sammel dies, sammel das

Dem Vernehmen nach soll es in Essen 2017 einen Run auf das Spiel gegeben haben, mutmaßlich ausgelöst durch die Kombination aus junger Nachwuchsautorin, euphorischen Vorabberichten und der Faszination über den coolen Aktionsradmechanismus. Kann ich verstehen: Auch ich war kurz davor, dieses Spiel blind zu kaufen. Heute bin ich froh, das nicht getan zu haben. Selbst mit gutem Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass meine Jungs dieses staubtrockende Geduldsspiel mehr als zwei Mal mitmachen würden.

Fazit: Danke an den Erklärbären fürs Mitbringen, geduldige Erläutern und mitspielen. Auch schmerzhafte Abende können einen Erkenntnisgewinn bringen.

 

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