Pulsar 2849

Kohle, Gas und Uran sind verballert und die Windräder haben Flaute. Neue Energiequellen müssen her. Wie praktisch, dass es im All Pulsare gibt die, mit der richtigen Gerätschaft ausgestattet, die Erde mit unbegrenzter Energie versorgen können.

Das Spiel

In Pulsar 2849, einem Expertenspiel von CGE, ist schon das Brett ist ein echter Hingucker: Kreisrund breitet sich das All mit einem Gitter aus Sonnen und Planeten aus. Wir bereisen es mit kleinen Raketen und klaren Zielen:  möglichst viele Planeten besuchen, Pulsare erschließen, die wir mit riesigen ringförmigen Energieabsorbern, den Gyrodynes umbauen und das ganze mit fetten Raumstationen unterstützen.

Das Brett zu Beginn

Motor des Spiels sind Würfel, die wir aus der Mitte nehmen. Dies geschieht nach einem cleveren Mechanismus: Wir werfen die Würfel und legen sie sortiert in die Mitte. Reihum und wieder zurück nimmt jeder je zwei Würfel, um damit anschließend seine Aktionen auszulösen.  Der Clou: hohe Würfel erlauben bessere Aktionen als niedrige und sind daher teurer. Wie teuer, hängt dabei davon ab wie der Gesamtwurf aussieht: In einem Wurf mit nur wenigen hohen Werten ist eine „6“ erheblich teurer als in einem Wurf mit vielen hohen Werten. Wer sich also im Vergleich zu den Mitspielern starke Aktionen holt, bezahlt dies mit hohen Kosten.

Würfelauswahl. Alle Würfel links des gelben Markers sind „billig“, die rechts „teuer“

Mit seinen beiden Würfeln hat nun jeder Spieler zwei Aktionen. Wir können:

  • Mit unserem Schiff fliegen
  • Pulsare erschließen
  • Raumstationen bauen
  • Technologien erforschen

Geflogen und erschlossen wird auf dem Brett: je höher die Zahl desto weiter wird reisen wir und desto punkteträchtigere Pulsare können wir erschließen.

Grün hat drei Planeten besucht und einen Pulsar-Ring erschlossen

Raumstationen bauen wir auch über Würfelaktionen und legen sie vor uns aus. Technologien schließlich schalten uns allerlei Spielvorteile frei (schneller Reisen, mehr Punkte, Extrawertungen usw.).  Obacht: Technologien sind beschränkt, wer zuerst kommt mahlt zuerst.

Das Ganze geht über genau 8 Runden, was uns insgesamt nur 16 Aktionen einräumt. 16 Aktionen – das ist nicht viel. Zum Glück können wir uns Extraaktionen in Form eines roten Würfels besorgen, so z.B. auf Technologiefeldern oder durch Raumstationen. Im Idealfall können wir so aus 16 Aktionen bis zu 24 machen, was natürlich einen signifikanten Effizienzgewinn darstellt.

Technologien: Grün: Raumsprung. Rot: Extrapunkte für Pulsare. Links gibt’s Extraaktionen zu holen

Punkte gibt es im Spiel für alles Mögliche: Pulsare und Raumstationen z.B. schütten ihre Ausbeute während des Spiels, andere Dinge wie z.B. das Bereisen möglichst vieler Planeten, werden erst am Ende ausgewertet. Eine Partie Pulsar 2849 dauert bei normalem Spieltempo ca. 30 Minuten pro Spieler..

Das Spielgefühl

In Pulsar 2849 gibt es eine Menge zu tun und wir Spieler haben viele Freiheiten, das zu gestalten. Am interessantesten ist aber die Jagd nach Zusatzaktionen und das Entdecken vieler kleiner Synergien. Wie oben geschrieben: 16 Aktionen insgesamt sind nicht viel, so dass unser Hauptziel stets Effizienzgewinne sind, sprich möglichst oft Extraaktionen zur holen und möglichst oft Dinge tun, die einander gut unterstützen. Dabei können wir diverse Wege zum Sieg einschlagen, die allesamt gleichermaßen konkurrenzfähig sind.

Zwei Raumstationen bilden einen Würfelsymbol: Extraaktion!

Erfreulich dabei: Die Downtime hält sich insgesamt in Grenzen, nicjt zuletzt weil die Würfelaugen unsere Auswahl zumeist etwas einschränken.

Überhaupt die Würfel: Der Verteilungsmechanismus ist einfach klasse. Der Autor hat hier ein cleveres System variabler Aktionskosten erschaffen, bei dem im Prinzip gilt: je besser eine Aktion im Vergleich zu den anderen ist, desto teurer. Dies verhindert, dass wir Spieler uns ständig auf die besten Aktionen stürzen; irgendwann werden die Kosten für uns so hoch, dass wir lieber zu kleineren, schwächeren Würfeln greifen. Eine Art implizites Balancierung sozusagen.

Auch die Interaktion kommt nicht zu kurz. Wie bei vielen Eurogames findet Konkurrenzkampf nur im Zugriff auf Ressourcen statt, aber der hat es in sich: Ob Planeten, Pulsare, Technologien, Raumstationen oder vor allem Aktionswürfel: Fast alle essentiellen Dinge sind beschränkt, so dass Erstzugriff wichtig ist. Tempo- und Reihenfolgensteuerung ist also von zentraler Bedeutung und ebenso lohnt es sich, den lieben Mitspielern dringend benötigte Würfelwerte wegzuschnappen.

Phallische Raumschiffe

Auch thematisch gefällt mir Pulsar 2849: Das Bereisen des Alls, das Erschließen der Pulsare und Erbauen der Raumstationen fühlt sich thematisch passend an. Bei der Gelegenheit ein Lesetipp: Peter Rustemeyer über Thema vs. Mechanik

Zu guter Letzt muss man die Variabilität des Spiels loben: Eine große Anzahl an Technologien und Zielen, ein doppelseitiges Brett – das sorgt für eine Menge Abwechslung

Fazit

Man hat es wohl schon rausgelesen: Mir gefällt Pulsar 2849 sehr gut und das, obwohl es eigentlich ein ziemlicher Punktesalat ist. Die vielen Wege, das Spiel zu gestalten, das die Mechanismen unterstützende Thema, der angenehme Spielfluss und – natürlich – die Würfel machen es aber für mich zu einem sehr empfehlenswerten Expertenspiel. Derzeit ist es nur in englisch erhältlich, was aber nur die (sehr gut geschriebene) Regel betrifft. Das Material ist zu 100% sprachneutral.  Insgesamt: ein Topspiel!

 

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