07.11.2018 – Lift Off, Azul Reloaded

„Die Flut ist da“ (O-Ton Stefan).

Am Tisch: Stefan, Phil, Matthias, Jerry

Auf’m Tisch: Lift Off (Hans im Glück), Azul 2 (Plan B Games)


Lift Off

Zum Start ein neues Expertenspiel aus der guten Stube von Hans-im-Glück: Lift-Off. Die Optik ist schon mal sehr positiv. Retro-70er Jahre Charme mit einem Coverboy, der an das Fallout Männchen erinnert.

Als aufstrebende Raumfahrtnationen schießen wir Satelliten ins All, die wir in Form von Karten ziehen. Um die Trabanten erfolgreich in den Orbit zu bringen brauchen wir Trägerraketen mit passender Traglast, technologischer Ausrüstung und – klar – jede Menge Geld.

Je fetter der Satellit desto leistungsfähiger muss unsere Rakete sein, aber desto mehr Siegpunkte und andere Goodies bringt er. Es geht also primär darum, unsere Raketentechnik klug auszubauen um so immer mehr und immer größere Satelliten starten zu können.

Getrieben wird das Ganze von Aktionskarten die wir durch Drafting bekommen. Mickrige zwei pro Runde spielen wir aus und kaufen uns damit Raketenverbesserungen, erwirtschaften Geld oder holen uns zusätzliches Tempo für Starts.

Hat jeder seine beiden Karten auf den Tisch gebracht, folgt eine Phase in der wir erst neue Satelliten bekommen und dann – sofern möglich – in den Orbit schießen.  Eine Runde folgt also dem Muster:

  1. Eigene Technik verbessern
  2. Neue Satelliten bekommen
  3. Satelliten abschicken

Fast alle Satelliten bringen dabei neben Siegpunkten auch weitere technologische oder monetäre Verbesserungen. Und je mehr sich das Spiel dem Ende zuneigt, desto punkteträchtiger und mächtiger werden diese Errungenschaften. Der Schlüssel zum Erfolg liegt also darin, die richtigen Satelliten auszuwählen und den eigenen Technologieausbau präzise darauf zuzuschneidern.

Vollausbau unserer Basis

Im Spiel zeigt sich: Das erfreulich übersichtliche Material und die knuddelige Optik täuschen: Was harmlos aussieht, ist ein anspruchsvolles Expertenspiel, das keinen Schnitzer erlaubt.  Jede Aktionskarte muss optimal gewählt werden, die Reihenfolge des eigenen Technologieausbaus genau geplant werden, passend zu den Satelliten.

Das haben alle außer dem Autor diese Zeilen bald verstanden, so dass sich ein munterer Dreikampf zwischen Stefan, Phil und Matthias entspinnt, während Hilfskosmonaut Jerry eher schlecht als recht rumstümpert. Manch einer sollte eben besser auf dem Boden bleiben. Beeindruckend ist aber, dass die Spielarten der drei Profis recht unterschiedliche Dynamiken aufweisen: Stefan läuft nach ca. der Hälfte des Spiels souverän vorneweg und sieht schon wie der sichere Sieger aus. Aber ein formidabler Endspurt in der Schlusswertung sichert Phil dann doch noch den Gesamtsieg.

Trotz des (für mich) deutlichen Debakels macht Lift Off neugierig. Diesem Spiel gelingt es, mit übersichtlichem Material und vergleichsweise schlanken Regeln ein forderndes Aufbaupuzzle zu erzeugen.

Fazit: Keine Note wegen meines extrem holprigen Erstspiels. Macht aber auf jeden Fall Lust auf weitere Partien.


Azul 2

Tja. Da ist Azul gerade mal ein paar Monate Spiel des Jahres und schon wird ein Nachfolger auf den Markt geschmissen. Melke die Kuh, solange sie Milch gibt.

Also Azul Reloaded. Das Spielprinzip ist ähnlich geblieben: Aus Schalen in der Mitte nehmen wir uns „Glas“-Kacheln und bauen sie in eine eigene Auslage ein. Die Regeln zum Nehmen aus der Mitte sind dabei zu 100% die gleichen wie beim Orginal.

Anders ist der Zielort: Statt die Kacheln in ein quadratisches Raster zu legen, werden sie jetzt spaltenweise sortiert. 8 solche Spalten hat jeder und in jeder sind 5 Kacheln in vorgegebenen Farben gefordert. Ist eine Spalte voll, wird sie abgeräumt und bringt Punkte und zwar nicht nur für sich selbst sondern zudem für alle rechts von ihr liegenden zuvor fertiggestellten Spalten.

Am Anfang war das Bret wüst und leer

Idealerweise wollen wir unsere Spalten also von rechts nach links füllen, was aber dank Materialmangel und den lieben Mitspielern meist eher schlecht als recht klappt und zudem daran scheitern kann, dass wir die befüllende Spalten nicht immer frei wählen können. Und genau wie beim Original gilt: Überschüssiges Material bringt Miese. Teilweise sogar viele Miese. Sonderpunkte dagegen gibt es für den Bau benachbarter Spalten oder für das Abräumen von Kacheln einer bestimmten Farbe, die sich Runde für Runde ändert.

Einige Spalten wurden schon gefüllt, andere sind in Vorbereitung

Dank der hohen Ähnlichkeit zum Original können wir schnell einsteigen und sind motiviert, denn das Vorbild ist zweifelsohne ein absolutes Highlight der letzten 12 Monate. Doch leider zeigt die Praxis, dass der Nachfolger nicht an den gewohnten Spielspaß anknüpfen kann.  Azul 2 führt neue Elemente, neue Zwänge ein: Baue die richtigen Farbe! Werte die richtige Bonusfarbe! Baue von rechts nach links! Baue in Gruppen! Das ist mehr, aber nicht unbedingt besser. Wo das Original von bestechender Eleganz ist, hat der Nachfolger unnötigen Speck angesetzt.

Fazit: Ein „solide“ muss fairerweise vergeben werden, Ansonsten aber: Kein würdiger Nachfolger, der auch keinen Platz im Regal bekommt.

Advertisements