16.01.2019 – Architekten des Westfrankenreichs

Es bauen: Stefan, Hubert, Matthias, Jerry

Gebaut wird: Das gesamte Westfrankenreich.

Architekten des Westfrankenreichs“  – mon dieu, was für ein sperriger Titel. Und dann auch noch dies: Workerplacement samt Ressourcensammelei. Was kann man da schon erwarten?

Was passiert?  Naja … Workerplacement und Ressourcensammelei eben. Jeder Spieler nennt eine formidable Schar an Arbeitern sein eigen. Diese senden wir an Orte auf dem Spielbrett, um dort Geld und Rohstoffe erst einzusammeln und dann wieder auszugeben. Wir investieren zum einen in Gehilfen, die uns Einkommensvorteile verschaffen oder bauen siegpunktträchtig Gebäude – entweder eigene oder die örtliche Kathedrale.

 

Der Spielplan. Mittig die Einsetzorte. Rechts Gehilfen, die man kaufen kann.

Ungewöhnlich dabei: die meisten Orte auf dem Spielbrett erlauben das Platzieren beliebig vieler Arbeiter und das zudem von unterschiedlichen Spielern. Orte zu blockieren, geht also in aller Regel nicht. Stattdessen ist es attraktiv, an ein und denselben Ort mehrfach zu setzen, denn mit jedem weiteren Worker wird unsere Aktion an besagtem Ort stärker. Beispiel Steinbruch: Der erste Arbeiter sammelt 1 Stein, der zweite schon 2, der dritte 3 und so weiter. Eine Konzentration unserer Arbeitertruppe scheint also sinnvoll zu sein.

Ein dritter roter Arbeiter würde 3 Stein sammeln.

Fazit bis hier: Im Westen nichts Neues. Bis hier. Denn irgendwann müssen wir unsere Leute auch mal zurückholen und jetzt zeigen die Architekten ihre innovative Seite. Ihre garstig-innovative Seite. Garstig-innovativ-spaßig. Denn entgegen aller sonstigen Gewohnheit, nehmen wir nicht einfach zurück, wir nehmen gefangen. Und zwar nicht nur eigene, sondern auch fremde Arbeiter. Genau ein Rückholfeld gibt es, und wer dort einsetzt, kann eine oder mehrere Gruppen von Arbeitern eines Ortes zurückholen. Sind es eigene, stehen sie mir direkt wieder zur Verfügung. Sind es aber fremde, werden sie auf meinem Spielertableau eingelocht und stehen dem werten Mitspieler nicht mehr zur Verfügung. Der hat nun zwei Möglichkeiten: er kann sie für sehr teures Geld loseisen oder warten, bis ich sie beim örtlichen Sherriff gegen Lösegeld abgeliefert habe. Erst dann kann er sie dort für lau wieder einsammeln. Aber das kann schon mal dauern und so ist der werte Gegner meinem guten Willen ausgeliefert.

4 blaue Worker, die ein werter Mitspieler gefangen genommen hatte.

Diesen Kniff muss man schlicht und ergreifend als genial bezeichnen, denn er gibt dem verstaubten Worker-Placement-Genre einen frischen, konfrontativen und vor allem sehr lustigen Dreh. Wie oben geschrieben: viele Worker an einem Ort sind auf der einen Seite sehr effizient. Aber auf der anderen Seite provoziert eine große Gruppe Worker einer Farbe das Eingreifen der Mitspieler. Und sind meine Leute erstmal beim Gegner eingekerkert, kann ich mangels Workern spielerisch sehr schnell in die Defensive geraten. Theoretisch ist es sogar denkbar, ganz ohne Arbeiter da zu stehen.

Helfer bringen Spielvorteiile

Die Architekten bieten Workerplacement mit viel mehr Interaktion, als man es normalerweise gewohnt ist. Und mit viel mehr Konflikpotenzial. Seinen eigenen Stiefel runterzuoptimieren, geht hier einfach nicht, man muss genau schauen, wo welche Gruppen stehen und wann und vor allem wen man zurück holt. Das hat mich in unserer Einführungsrunde derart in den Bann gezogen, dass ich gegen Mitte der Partie komplett vergessen hatte, dass man vielleicht auch mal ein paar Siegpunkte sammeln sollte. Platz drei wurde es dann nach 2 höchst unterhaltsamen Stunden. Aber egal, wen stört schon die Platzierung, wenn man derart gut unterhalten wird.

Gebäude bringen Siegpunkte und Vor- oder Nachteile

Gibt’s was zu meckern? An der Optik schon mal nicht: die Grafik ist knuddelig, die Symbolik klar und übersichtlich. Und die Box ist kompakt ohne Luft in der Schachtel  – auch nicht selbstverständlich. Misslungen ist allerdings der Titel: „Ar-chi-tek-ten des West-fran-ken-reichs“ – jessesmaria, ging’s nicht etwas griffiger? Da deutet wirklich nichts auf das flotte Spiel mit spritzigen Ärgeranteilen hin. Ich hätte es eher „Kleriker und Kerkermeister“  genannt,  um wenigstens ein klitzekleines bisschen die tatsächliche Kerninnovation anzudeuten.

Aber sei’s drum: Das ist Klagen auf sehr hohem Niveau. Die Architekten des Westfrankenreichs ist unser erstes Topspiel des noch jungen Jahres 2019. Beide Daumen hoch!